Otto Bartning (1883–1959). Architekt einer sozialen Moderne

21.03.2017

Otto Bartning (1883–1959). Architekt einer sozialen Moderne

Ausstellung an der Akademie der Künste Berlin

Ende März eröffnet in Berlin die erste Station der Otto-Bartning-Ausstellung, die erstmals alle Bereiche des Lebenswerks des Architekten würdigt. Kuratorin Dr. Sandra Wagner-Conzelmann, ehemalige Mitarbeiterin des Fachgebietes Geschichte und Theorie der Architektur (Prof. Dr. Werner Durth), wertete hierfür u.a. das am Fachbereich Architektur angesiedelte Otto-Bartning-Archiv aus.

Architekt, Inspirator und Organisator – Otto Bartning war eine außergewöhnlich vielschichtige Persönlichkeit. Er zählt zu den Protagonisten des Expressionismus sowie der Neuen Sachlichkeit in der Weimarer Republik. Später wichtiger Impulsgeber des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, besonders als Berater der Stadt Berlin, vertrat er stets eine an menschlichen Bedürfnissen orientierte soziale Moderne. Er schuf qualitätsvolle Sozial- und Wohnbauten und gilt zudem als maßgeblicher Reformer des protestantischen Kirchenbaus. Mit seinem Entwurf der Sternkirche (1922) und der Stahlkirche (1928) schuf er Leitbauten.

Die Ausstellung dokumentiert auch das Notkirchenprogramm Bartnings, in dem ab 1946 im Auftrag der Evangeklische Kirche in Deutschland seriell vorgefertigte Typenkirchen in 43 Städten entstanden.

Als Gründungsmitglied der Akademie der Künste bestimmte Bartning die Leitlinien der Architekturentwicklung mit. Die Interbau 1957 in Berlin bildete einen weiteren Höhepunkt seines Lebenswerks. Das Oeuvre Bartnings und seine Vernetzungen in Kunst, Kultur und Politik werden erstmals in der umfassenden Retrospektive anhand von Zeichnungen, Fotografien und Architekturmodellen vorgestellt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Akademie der Künste, Berlin und der Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Karlsruhe, dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt. Studierende des Fachbereichs waren an der Recherche zu den Notkirchen, der Aufbereitung des Materials aus dem Bartning-Archiv und beim Modellbau für die Ausstellung beteiligt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Werner Durth, Wolfgang Pehnt und Sandra Wagner-Conzelmann.

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
31. März bis 18. Juni 2017

Ausstellungseröffnung:
Donnerstag, 30.3.2017, 19 Uhr
Mit Michael Bräuer, Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste
Dr. Sandra Wagner-Conzelmann, Kuratorin der Ausstellung
Prof. Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung
Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt
Der Eintritt zur Eröffnung ist frei

Weitere Stationen der Ausstellung:

Städtische Galerie, Karlsruhe
22.07.2017 – 22.10.2017

Museum Künstlerkolonie und im Design Haus
19.11.2017 – 18.03.2018

Das Otto-Bartning-Archiv der TUD

Otto Bartning (1883-1959) war als langjähriger Vorsitzender des Werkbundes und des BDA einer der bedeutendsten und einflußreichsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts. Er gilt als einer der Initiatoren der Bauhaus-Idee und wurde vor allem durch die Errichtung zahlreicher Notkirchen in den kriegszerstörten Städten der Bundesrepublik bekannt.

Obwohl Bartning niemals Professor der Technischen Hochschule war, lebte er seit 1951 in Darmstadt und vermachte der TU Darmstadt einen beträchtlichen Teil seines künstlerischen privaten Nachlasses.

Der Archivbestand umfaßt Zeichnungen, Pläne, Fotografien und Materialien von den ersten Studienarbeiten Bartnings bis zu seiner Preisrichtertätigkeit in den frühen Jahren der Bundesrepublik sowie umfangreiche private Aufzeichnungen, Buchmanuskripte etc..

Weiterführende Links:
> Veranstaltungswebseite
> Bartning-Archiv am Fachgebiet Kunstgeschichte

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