Ein Stadthotel für Darmstadt

29.06.2017

Ein Stadthotel für Darmstadt

Der Georg-Moller-Preis 2017 geht an die Studierenden Philipp Trenzen, Tobias Wowra, Nuria Safi und Stefania Staltari

In Erinnerung an Georg Moller vergibt die Wissenschaftsstadt Darmstadt zum 27. Mal den Mollerpreis an Studierende des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt. Am Mittwochabend, 28. Juni, wurden die Preisträger_innen von Oberbürgermeister Jochen Partsch ausgezeichnet und eine Begleitausstellung im Sparkasse-Center am Luisenplatz eröffnet.

Alle Arbeiten der Ausstellung entstanden im Rahmen der im Wintersemester 2016/17 gestellten Entwurfsaufgabe „Stadthotel in Darmstadt“ des Fachgebiets Entwerfen und Gebäudelehre von Prof. Meinrad Morger. Die Aufgabenstellung bestand im Entwurf eines Stadthotels an einem selbst zu wählenden innerstädtischen Ort in Darmstadt. Die Wahl des Ortes war ein integraler Teil der Aufgabe. Das Hotel sollte laut Aufgabenstellung 30 großzügige Zimmer und Suiten aufweisen. Zudem wurde eine umfassende Infrastruktur mit Spa-Bereich, Restaurant, Bar und Seminarräumen verlangt.

Die Jury würdigte die intensive Auseinandersetzung der Arbeiten mit der Stadt Darmstadt, sowohl in Bezug auf die Ortsfindung, als auch bei der Einpassung in das städtische Umfeld. Zudem lobte sie den hohen Durcharbeitungsgrad und die qualitativ hochwertige Darstellung der Arbeiten.

Die Preissumme von insgesamt 2.600 € wurde wie folgt aufgeteilt: Vier Arbeiten wurden zur Prämierung ausgewählt, wobei zwei mit einem gleichwertigen Sonderpreis ausgezeichnet werden. Alle vier Arbeiten erhalten ein Preisgeld in Höhe von je 500 €. Für alle 12 vorgestellten Arbeiten wurde eine Aufwandsvergütung von jeweils 50 € festgesetzt.

Die Jury begründete die Prämierung der beiden Arbeiten von Philipp Trenzen und Tobias Wowra mit dem Georg-Moller-Preis 2017 wie folgt:

Philipp Trenzen wird ausgezeichnet für seine hervorragende, aus einer stadthistorischen und stadträumlichen Analyse heraus entwickelten, Ortswahl. Sein Entwurf für den Kapellplatz überzeugt die Jury durch eine klare und angemessene Setzung des Baukörpers in den Stadtraum, die nachvollziehbare Funktionstrennung zwischen Sockel und Turm mit räumlich starker Relevanz in Grundriss und Schnitt und durch die hohe Eigenständigkeit des Entwurfsgedankens.

Tobias Wowra gelingt mit seinem Entwurf für den Stadtkirchplatz die identitätsstiftende Aufwertung des gesamten Straßenzuges. Neben der ausgezeichneten Ortswahl, lobt die Jury das hohe Geschick vor allem im Erdgeschossgrundriss, der sich mühelos in eine komplizierte, gewachsene Stadtstruktur einfügt. Ihm gelingt der Entwurf eines geradezu idealtypischen „Stadthotels“ mit sehr guten Zimmergrundrissen, die mit möglichem Umlauf eine angenehme und angemessene Großzügigkeit vermitteln.

Mit den Sonderpreisen des Georg-Moller-Preises 2017 prämiert die Jury die Arbeiten von Nuria Safi und Stefania Staltari.

Nuria Safi hat einen sehr guten und identitätsstiftenden Lösungsansatz erarbeitet, dessen stark reliefierte Fassadengestaltung aus den Zimmergrundrissen abgeleitet ist. Mit dem elaborierten und sehr eigenständigen Zimmergrundriss mit nachvollziehbarer Nutzungsverteilung, bleibt er auch in seiner Ausprägung als Suite erkennbar.

Stefania Staltari hat eine hervorragende dreidimensionale Komposition an einer höchst anspruchsvollen städtebaulichen Nahtstelle geplant – ein geschickter Umgang mit dem Höhenversprung im städtischen Raum über Splitlevel und die damit zusammenhängende Funktionsverteilung innerhalb des Volumens. Gelobt wird die eigenständige Setzung, die sich stilistisch nicht an die Nachbarbebauungen anbiedert, sondern eine eigene Sprache entwickelt.

Der Jury des Georg-Moller-Preises 2017 gehörten an:

  • Oberbürgermeister Jochen Partsch
  • Bau- und Verkehrsdezernentin Dr. Barbara Boczek
  • Jochen Krehbiehl, Leiter des Stadtplanungsamtes
  • Armin Niedenthal, Vorstand der Bauverein AG
  • Bernd Bärfacker, Bereichsleiter Bau- und Instandhaltung bei der Bauverein AG
  • Karlo Filipovic, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FG Entwerfen und Gebäudelehre
  • Manuel Mauder, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FG Entwerfen und Gebäudelehre
  • Meinrad Morger, Professor am Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre bis WS 2016/17.

Die Ausstellung im Kundencenter der Sparkasse Darmstadt am Luisenplatz läuft noch bis zum 18. Juli 2017.

Zum Hintergrund:

Der von der Stadt Darmstadt ausgeschriebene Georg-Moller-Preis wird in Erinnerung an das Werk Georg Mollers für Studierende des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt ausgelobt und für Studienarbeiten vergeben, die sich auf Darmstädter Bau- und Planungsaufgaben beziehen. Der Preis wurde 1989 erstmals verliehen. Seit 2000 wird das Preisgeld von der Bauverein AG gestiftet. Der Preis soll „in schöpferischer Verknüpfung mit Theorie und Praxis die Auseinandersetzung mit realen und städtebaulichen Fragestellungen unserer Stadt fördern“. Zudem soll laut Satzung „das fachliche Gespräch zwischen der Stadt Darmstadt, der Bauverein AG und der Technischen Universität belebt werden“.

Der bedeutende Architekt und Bauforscher Georg Moller (1784-1852) hatte als Leiter des Hessischen Staatsbauwesens mit seinen städtebaulichen Planungen die bürgerlich-klassizistische Struktur des Darmstädter Stadtgrundrisses und das Stadtbild mit wesentlichen Bauwerken maßgebend geprägt.

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