Minimalräume zum Bauen (1999)

Minimalräume zum Bauen (1999)

Im Sommersemester 1998 wurde am Fachgebiet Entwerfen und Gebäudekunde ein Entwurf zum Thema „Baustruktur“ durchgeführt, bei dem die Möglichkeiten einer mit einfachsten Mitteln zu entwickelnden Baustruktur ausgelotet werden sollten.

Fachgebiet Entwerfen und Gebäudekunde, damals unter Prof. Dipl.-Ing. Andreas Brandt, Dipl.-Ing. Anja Ohliger

Minimalräume
Minimalräume

Ziel des Entwurfs war von Anfang an, eine der Arbeiten anschließend ausschnittweise auf dem Experimentierfeld im Maßstab 1:1 zu errichten. Da dieses Bauwerk von Studierenden für Studierende gebaut werden sollte, waren als Baumaterialien lediglich Holz und Mauerwerk zugelassen.

Die Wahl fiel auf den Entwurf von Hans Christian Wilhelm, der auf einem Raster von 3 x 3 m eine reduzierte Architektur entwickelt hatte, die eine Wohn- und Arbeitsstruktur mit radikal minimierten Raumeinheiten vorsah. Das durch Segmentbögen weitgehend geöffnete Erdgeschoss war hierbei für eine halböffentliche, möglicherweise saisonale Ateliernutzung vorgesehen, darüber sollten sich individuelle, turmartige Wohneinheiten erheben, in die hölzerne Boxen als Warmräume eingeschoben waren.

exp.
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1. Bauphase – Probeaufbau
Im Sommer 1998 wurde auf dem Experimentierfeld ein erstes Probebauwerk errichtet. Für die Absicherung einer fachgerechten Ausführung konnte Prof. Andreas Brandt einen pensionierten Maurermeister aus der Lehrwerkstatt des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) in Weiterstadt gewinnen. Nach einer Einweisung in der Lehrwerkstatt entstand so durch die Teilnehmer des Entwurfes unter fachmännischer Anleitung ein Fundament im vorgesehenen Rastermaß von 3 x 3 m, über dem bis in eine Höhe von 3 m verschiedene Mauerwerkstechniken erprobt wurden. Dieses Gebilde wurde nach Beendigung der Experimentier- phase am Ende des Sommers wieder entfernt.

2. Bauphase – Realisierung
Die eigentliche Realisierung des Bauwerkes begann im Sommer 1999. Unter Leitung von Prof. Andreas Brandt fand sich eine Gruppe von Studierenden im Grundstudium zusammen, die den ursprünglichen Entwurf für die Errichtung auf dem Experimentierfeld modifizierte und einen Ausführungsentwurf erarbeitete.
Dieser sah anfangs eine Baustruktur von über 3 x 3 Feldern vor, die jedoch letztlich auf 3 x 2 Felder reduziert wurde. Über zwei der sechs Felder wurden turmartige Wohnaufsätze vorgesehen, während im Erdgeschoss ein zusammenhängender Raum entstehen sollte, der sich nunmehr wiederum durch Segmentbögen zur Umgebung öffnete.

Nachdem von einer kleinen Brennerei kostenlose Ziegelsteine zur Verfügung gestellt worden waren, wurde nun, wiederum unter Anleitung des Fachmannes, die erste Zelle des Bauwerkes von den Studierenden im Rahmen eines Baupraktikums fundamentiert und hochgemauert.
Unterstützung erfuhren sie dabei von Lehrlingen des BTZ. Hierbei wurden wertvolle praktische Erfahrungen mit den Problemen des Mauerwerksbaus gesammelt, die unter anderem durch die nicht dem Normmaß entsprechenden Ziegel verursacht wurden.