Die Wella-Stiftungsdozentur und -professur – Die Professur für Mode & Ästhetik

Der Wella-Konzern, einer der führenden Kosmetikhersteller in Deutschland, hat im Jahr 1992 eine bundesweit einzigartige Stiftungsdozentur bzw. -professur für Mode & Ästhetik an der TU Darmstadt ins Leben gerufen: „Sie ist eine der wenigen von einem Wirtschaftsunternehmen geförderten geisteswissenschaftlichen Einrichtungen und widmet sich zudem einem in der Universitätslandschaft wenig bearbeiteten, aber kulturell zentralen Gebiet.“

Die Rolle der Wella-Stiftungsdozentur/-professur im Fach Körperpflege

Zu Beginn bestand der Studiengang Körperpflege größtenteils aus naturwissenschaftlichen Inhalten der Biologie und Chemie und untersuchte Funktionen und Aufbau von Haar und Haut. Seit den 1960er Jahren setze sich Hans Lehmberg, Professor für Körperpflege in der Berufspädagogik, für eine ästhetisch-kulturwissenschaftliche Komponente innerhalb des Studiums ein, was sich in den frühen Kooperationen mit dem Darmstädter Kosmetikkonzern Wella widerspiegelte. Nach Lehmbergs Emeritierung wurde diese enge Zusammenarbeit von Studierenden weitergeführt und sogar intensiviert. Das große Interesse des Kosmetikherstellers Wella an der wissenschaftlichen Beleuchtung von kulturellen und ästhetisch-künstlerischen Aspekten trug so zur Etablierung der Mode & Ästhetik als Kulturwissenschaft von Körpern, Frisuren, Moden und Textilien bei. Denn Haut und Haar bieten nicht nur naturwissenschaftliche Erkenntnisse, sondern sind auch Ausdruck von Identitäten und Orte der Selbstinszenierung. Fragen zu den Konstruktionen historischer und gegenwärtiger Körper- und Frisurenmoden als gesellschaftlich-kulturelle Phänomene und zu den Gestaltungsmöglichkeiten von Individuen, sozialen Gruppen oder Medien in diesem Geschehen sollten in Forschung und Lehre zentral sein. Durch die Wella-Stiftungsdozentur bzw. -professur wurde also eine eigene Disziplin geformt und gefördert, die eine kunst- und kulturwissenschaftliche Perspektive auf die Frisierkunst, gesellschaftlich und historisch geprägte Körper- und Schönheitsvorstellungen sowie die künstlerische Reflexion solcher Normierungen anlegte.

„Gegenstand der Forschung sind die verschiedenen Moden in Kleidung, Frisur, Schminke und Körpergestaltung, die im Zusammenhang mit anderen Phänomenen der Alltags- und Hochkultur untersucht werden.“2 Expertin für Mode und Ästhetik, in: Hoch 3. Die Zeitung der Technischen Universität Darmstadt, 7(2011), S. 10.

Bild: D.James u. J.Wright

Seit der Gründung der Dozentur und Professur für Mode und Ästhetik ist sie mit Stelleninhaber*innen besetzt worden, die einen kunst-, kultur-, und medienwissenschaftlichen Schwerpunkt haben. Dementsprechend wurden diese auch im Studiengang implementiert, der mit den Änderungen zur Reakkreditierung 2014 auch formal seine aktuelle Fokussierung auf Kunst-, Bild- und Kulturgeschichte erhalten hat. Exkursionen sind seitdem im Curriculum verankert und ermöglichen die intensive Arbeit vor Originalen sowie an Originalschauplätzen und das ‚Erleben‘ von Kunstwerken und Mode in ihrem jeweiligen Ausstellungskontext. Neben den Vorlesungen zu „Kunst- und Kulturgeschichte“ sowie zu „Modetheorien“ bereitet ein Kolloquium die Studierenden gezielt auf das Verfassen der wissenschaftlichen Abschlussarbeit vor. Durch die Stellenbesetzungen und die geschaffenen Strukturen erhielt der Studiengang Körperpflege sein kunst- und kulturwissenschaftliches Profil. Nach dem Verkauf des Wella-Konzerns an den amerikanischen Konzern Procter & Gamble führte dieser die Stiftungsprofessur nicht weiter. Fest etabliert in der Lehramtsausbildung und Alleinstellungsmerkmal für den Studiengang Körperpflege wurde die Professur für Mode & Ästhetik 2016 als reguläre Universitätsprofessur durch die TU Darmstadt übernommen und mit der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Alexandra Karentzos besetzt, die den Arbeitsbereich mit mehreren Mitarbeiterinnen, studentischen Hilfskräften und Tutorinnen leitet.

(Denise James/ Jennifer Wright/ Miriam Oesterreich)

Quellen:

Archivquellen: Material zu den Stelleninhaber*innen im Universitätsarchiv Darmstadt, Stiftungsprofessuren I u. II.

O. A.: Expertin für Mode und Ästhetik, in: Hoch 3. Die Zeitung der Technischen Universität Darmstadt, 7(2011), S. 10. Online: https://www.tu-darmstadt.de/media/daa_responsives_design/01_die_universitaet_medien/aktuelles_6/publikationen_km/hoch3/pdf/hoch3_2011-06.pdf (Stand: 20.12.2020).

Zeitzeuge: Jürgen Schneider