Intersektional-feministische Initiativen in der Architekturlehre
Institutionelles Engagement und Kritik von 2015 bis 2025 im DACH-Raum
von Kira F. Altheim
Die Architekturkultur ist von diskriminierenden Verhaltensweisen und Entwurfspraktiken geprägt, die im Studium vermittelt und reproduziert werden. Gleichzeitig formiert sich dagegen seit Jahrzehnten Widerstand. Studierende und Teile des akademischen Mittelbaus gründen Initiativen, die durch Ausstellungen, Interventionen und eigene Lehrformate auf Missstände aufmerksam machen. Seit 2015 entstehen im Zuge gesamtgesellschaftlicher Debatten vermehrt studentische Bottom-up-Initiativen, die Lehrinhalte und institutionelle Normen aus intersektional-feministischer Perspektive kritisch hinterfragen.
Basierend auf der Denkschule von Pierre Bourdieu wird die Architekturlehre in dieser Arbeit als eigenständiges Feld verstanden, in dem Initiativen als widerständige Kräfte innerhalb bestehender Macht- und Ordnungsstrukturen agieren. Voruntersuchungen zeigen, dass sowohl ihre Aktivitäten als auch institutionelle Reaktionen wiederkehrenden Mustern folgen. Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Welche Erkenntnisse über institutionelle Dynamiken, Machtverhältnisse und Veränderungspotenziale lassen sich aus den Reaktionen von Architekturfakultäten auf intersektional-feministische Initiativen zwischen 2015 und 2025 im DACH-Raum gewinnen?
Methodisch wird eine kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger durchgeführt, um die sprachliche Herstellung von Deutungsmustern, Machtverhältnissen und legitimen Sichtweisen in den Selbstdarstellungen der Initiativen sowie in den Reaktionen der Institutionen zu untersuchen. Ergänzend werden narrative Interviews mit (ehemaligen) Initiativenmitgliedern und Akteur:innen aus Architekturfakultäten geführt.
Ziel ist es, die Veränderungsfähigkeit architektonischer Ausbildungssysteme zu analysieren und zugleich institutionelle Routinen, Stabilisierungstendenzen und Mechanismen der Kanonreproduktion sichtbar zu machen.