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Vorrangiges Ziel unserer Lehre ist es, die Wahrnehmung und Beobachtungsfähigkeit der Studierenden für die drängendsten Fragen unserer Zeit zu schärfen und eine globale Gegenwartsbesonnenheit auszubilden, insbesondere im Hinblick darauf, was es bedeutet als Architek:in verantwortungsbewusst zu handeln – heute und in Zukunft. Ein starker Grund zur Beschäftigung mit den Geschichte/n und Theorie/n von Architektur, Stadt und Landschaft betrifft also die Befähigung der Studierenden zur historisch-kritischen Reflexion praktischer Belange und eigener Positionen.

Sommersemester 2026

Bachelor

Bild: Postkarte der Weissenhofsiedlung 1927, © Freunde der Weissenhofsiedlung
Bild: Postkarte der Weissenhofsiedlung 1927, © Freunde der Weissenhofsiedlung

Sandra Meireis

Zum 100-jährigen Jubiläum der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927) widmet sich dieses Seminar einem Wendepunkt der Architekturgeschichte. Wir untersuchen die Genese und Verbreitung dessen, was die Kuratoren Henry-Russell Hitchcock und Philip Johnson 1932 in der wegweisenden MoMA-Ausstellung „Modern Architecture“ als „International Style“ kanonisierten. Was als radikaler Aufbruch u.a. in Stuttgart begann – unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe und der Beteiligung von 17 Architekten aus verschiedenen Nationen – wurde in New York zum globalen Label. Doch was bedeutete dieser Begriff in einer Zeit, in der sich die Moderne gerade erst vom Westen aus zu verbreiten begann? War es ein rein ästhetischer Code oder ein Ausdruck globaler Machtverhältnisse

Zentrale Themenschwerpunkte sind

1)  Licht, Luft und Sonne: Die Weißenhofsiedlung als Manifest „Neuen Bauens“. Wir analysieren die 21 Häuser (mit insgesamt 63 Wohnungen) unter dem Aspekt des gesunden Wohnens für den „modernen Großstadtmenschen“.

2)  Technologie und Materialität: Die Abkehr von Symmetrie und Ornamentik hin zu Funktionalität und Flexibilität. Im Fokus stehen sowohl neue Konstruktionsprinzipien und -materialien als auch damit verbundene neue Raumkonzepte.

3)  Die Konstruktion eines Stils: Wie Ausstellungen und Publikationen dazu beitrugen, diese neuen Prinzipien weltweit zu exportieren – auch speziell in koloniale Zusammenhänge.

4)  Globaler Kontext vs. regionale Vielfalt: Wir hinterfragen die Gegenüberstellung von „weißer Moderne“ und regionalen Bautraditionen. Welche kulturellen Verluste gehen mit der Moderne als „universeller Standard“ und der Verdrängung lokaler, oft als „rückständig“ deklarierter Bauweisen einher?

Die Studierenden setzen sich kritisch mit der Architekturgeschichte um 1930 in einem globalen Querschnitt auseinander. Dabei werden nicht nur formale Kriterien der Architektur analysiert, sondern auch die Industrialisierung, die internationalen Netzwerke der Architekten sowie die u.a. propagandistische Wirkung von Wanderausstellungen beleuchtet.

Bachelor Seminar

Termine

immer montags von 15:00 bis 16:30 Uhr

13. April 2026 von 15:00 bis 16:30 Uhr
Einführungsveranstaltung im Raum L3|01 -102 Architekturgebäude

Bild: Ausstellung der Initiative LOOM der Berliner Hochschule für Technik im Zuge des WiA Festivals 2025, © Janine Seiffert
Bild: Ausstellung der Initiative LOOM der Berliner Hochschule für Technik im Zuge des WiA Festivals 2025, © Janine Seiffert

Kira Franka Altheim

Seit den späten 1940er Jahren wird die Architekturausbildung weltweit immer wieder durch hochschulinterne Initiativen in Frage gestellt. Besonders Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter:innen treten dabei als Akteur:innen auf, die bestehende Inhalte, Methoden und Strukturen der Architekturlehre kritisch hinterfragen und alternative Formen der Lehre erproben.

Im Kontext der zweiten Welle der Frauenbewegung und der studentischen Proteste der 1968er Bewegung entstand eine breite Kritik an patriarchalen Planungsstrategien, an der geringen Repräsentation von Frauen in der Disziplin sowie am Leitbild des „Künstlerarchitekten“. Flugblätter, Zeitschriften und politische Gruppen bildeten dabei zentrale Medien der Intervention innerhalb der Architekturausbildung. Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter:innen entwickelten eigenständig disziplinübergreifende Seminare, experimentelle Lehrformate und alternative Prüfungsformen. Seit den 2000er Jahren haben Bewegungen wie #MeToo und Black Lives Matter Fragen von Diskriminierung, Macht und Repräsentation erneut stark in den Fokus öffentlicher und fachlicher Debatten gerückt. Seit Mitte der 2010er Jahre entstehen (wieder) verstärkt studentische Bottom-Up-Initiativen, die bestehende Lehrinhalte und institutionelle Normen der Architektur kritisch hinterfragen.

Das Seminar untersucht Initiativen in der Architekturausbildung von den 1940er Jahren bis in die Gegenwart. Wir fragen nach ihren Praktiken, Strategien und Zielen: Wie organisieren sich diese Gruppen? Welche Themen bringen sie in die Lehre ein? Welche Formen von Intervention entwickeln sie? Und welche Wirksamkeiten entfalten diese Initiativen innerhalb der Institution Hochschule?

Neben der historischen und theoretischen Auseinandersetzung steht auch die kritische Reflexion der eigenen Rolle als Studierende*r und der eigenen Architekturausbildung im Zentrum. Entstehen soll eine kollektiv erarbeitete Mindmap, in der die Seminarinhalte im Laufe des Semesters visuell und inhaltlich zusammengestellt werden. Ziel des Seminars ist es, bestehende Lehrformate, Wissensordnungen und Rollenbilder innerhalb der Disziplin zu analysieren und gemeinsam zu diskutieren, wie eine diskriminierungsfreie und inklusive Architekturlehre aussehen könnte.

Bachelor Seminar

Termine

immer montags von 11:30 bis 13:00 Uhr

13. April 2026 von 11:30 bis 13:00 Uhr
Einführungsveranstaltung im Raum L3|01 -102- Architekturgebäude

Bild: © UNESCO Michel Olyff/Creative Commons

Meinrad v. Engelberg

Die Ernennung eines Ortes, Bauwerks oder Landschaft zum „Unesco-Welterbe“ ist die prominenteste Auszeichnung, die eine Destination heute erlangen kann. Entsprechend begehrt ist die Eintragung in die entsprechenden Listen der Uno-Kulturorganisation.

Zugleich mehrt sich aber auch Kritik an diesem Label und dem vorgeschalteten Vergabeverfahren. Im Gegensatz zu dem, was der Titel suggeriert, wird die Auswahl der Stätten keineswegs von einer neutralen globalen Instanz wie der Unesco vorgenommen, sondern folgt immer einem Vorschlag einzelner Staaten, die hierbei konkurrieren. Die Bewerbung ist aufwendig, die Kriterien bevorzugen ganz bestimmte kulturelle Zeugnisse und limitieren so, was eingetragen wird. Oft stehen Interessen wie Nationalprestige oder Tourismusförderung hinter dem Antrag, während der eigentlich erhoffte bessere Schutz der Stätten de facto nicht gegeben ist.

Das Seminar will Chancen, offene Fragen und Probleme dieses Konzepts an deutschen und internationalen Beispielen diskutieren. Wir besuchen auf mehreren Tagesexkursionen die Welterbestätten der Region.

Bachelor Seminar

Termine

immer montags von 16:00 bis 17:30 Uhr

13. April 2026 von 16:00 bis 17:30 Uhr
Einführungsveranstaltung im ELS Seminarraum (L3|01 161)

Master

Bild: Claude-Nicolas Ledoux, Coup-d’œil du Theatre de Besançon
Bild: Claude-Nicolas Ledoux, Coup-d’œil du Theatre de Besançon

Sandra Meireis

Überwachungsarchitekturen umfassen sowohl physische als auch digitale Strukturen, die darauf ausgelegt sind, Verhalten zu erfassen und zu kontrollieren. Vom historischen Panopticon – Jeremy Benthams „perfektem Gefängnis“ mit zentralem Turm und uneinsehbarer Beobachtungsposition – bis hin zu moderner „defensiver Architektur“ im urbanen Raum beeinflussen sie durch ständige oder vermutete Überwachung das Handeln. Digitale Überwachung (Kameras, Datensammlung) erweitert dies zu einem digitalen Panoptikum. Architektur spielt dabei eine zentrale Rolle als raum- und strukturgebendes Medium, das sowohl bestimmte Typologien (Gefängnis, Lager) hervorbringt als auch menschliches Verhalten (Gewohnheiten, ritualisierte Abläufe) steuert.

Im Seminar beleuchten wir historische und gegenwärtige Kernaspekte unter Berücksichtigung ihrer Funktionalität und Gestaltung. Im Panoptismus sieht Michel Foucault das Fundament der modernen Überwachungstheorie: Ein zentraler Beobachter überwacht viele Insassen, ohne dass diese wissen, ob sie gerade beobachtet werden. Dies führt zur Selbstdisziplinierung. Gilles Deleuze konzeptioniert ergänzend den philosophischen Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft.

Kontrolle durch Design ist heute besonders im öffentlichen Raum präsent, der zunehmend von „defensiver Architektur“ (auch: „hostile architecture“) durchzogen ist. Ziel ist es, unerwünschtes Verhalten wie den Aufenthalt von Obdachlosen oder Skatern durch bauliche Maßnahmen zu verhindern – etwa durch schräge Sitzflächen, Trennbügel auf Bänken oder Metalldornen auf Mauersimsen. Durch digitale Überwachung, den Einsatz von Überwachungskameras (CCTV), systematische Datenerfassung (Data-Mining) und Smart-City-Technologien werden öffentliche Räume zudem in permanent überwachbare Zonen verwandelt. Die Verschmelzung von physischer Umgebung und staatlichen Datenauswertungssystemen (z. B. soziale Kreditsysteme) erzeugt eine lückenlose Überwachungsinfrastruktur. Architektur der Überwachung bezeichnet somit sowohl eine physische Bauweise als auch ein politisches Instrument zur Kontrolle und Regelung des sozialen Lebens.

Master Seminar

Termine

immer dienstags von 10:00 bis 11:30 Uhr

14. April 2026 von 10:00 bis 11:30 Uhr
Einführungsveranstaltung im Raum L5|01 -45 a- Erdgeschoss Bauingenieurgebäude

Bild: Witness Tree (II), 2024, © Georg Lutz
Bild: Witness Tree (II), 2024, © Georg Lutz

Claudia Nitsche

Taking Rob Nixon's publication 'Slow Violence and the Environmentalism of the Poor' as a starting point, this course examines specific processes of environmental violence and resistance in German history. Within this investigation, the course explores fundamental questions of property, power relations, and capitalist modes of extraction, resulting in transformed and exploited landscapes that serve as sacrifice zones.

This course aims to provide a holistic understanding of environmental conditions and to explore tools for critical spatial interventions that address environmental issues across multiple scales and contexts.

Master Seminar (Block Course)

Dates

10. June 2026, 10:00 to 17:00
Introductory session in L5 | 01 Raum 108, 1. OG Bauingenieurgebäude

10 June 2026, 10:00 to 17:00
11 June 2026, 10:00 to 17:00
25 June 2026, 10:00 to 17:00
26 June 2026, 10:00 to 17:00