Ausgezeichnete studentische Forschung
Verleihung des Heinz-Stillger-Preises 2025 am Fachbereich Architektur
11.12.2025
Am 10. Dezember 2025 wurde am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt zum achten Mal der Heinz-Stillger-Preis für herausragende studentische Forschungsarbeiten verliehen. Themen waren u. a. die Entwicklung additiv gefertigter Akustikabsorber aus Ton, die experimentelle Erarbeitung keramischer Glasuren aus der Asche verschiedener Holzarten sowie die gestalterische Entwicklung einer gewebten Sitzfläche.
Ziel des Heinz-Stillger-Preises ist eine Stärkung des Stellenwerts der Forschung in der Lehre und eine Förderung der Durchgängigkeit vom Bachelor über den Master in die Forschung und Promotion.
Gestiftet wird der Preis von der in Wiesbaden ansässigen HEINZ-STILLGER-STIFTUNG. Zweck der 1995 gegründeten Stiftung ist u. a. „die Finanzierung von Forschung und Wissenschaft auf dem Gebiet der Architektur“ und „die Unterstützung begabter und förderungswürdiger Studierender der Architektur“.
Das Auswahlverfahren
Eine Besonderheit des Preises ist das zweistufige Auswahlverfahren. Nach der Nominierung der Projekte durch die Fachgebiete wählte die Jury (diesmal bestehend aus Prof’in Dr. Christina Eisenbarth (Fachgebiet Entwerfen und Technologie resilienter Architektur), Prof. Martin Roth (Entwerfen, Landschaftsarchitektur und Stadtökologie, Katharina Frell-Dik (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetypologie), Dr. Oliver Sukrow (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Architekturtheorie und -wissenschaft) und den Masterstudierenden Julia Duda und Daniel Stahlberg) aus den dreizehn eingegangenen Arbeiten sechs Projekte für die zweite Juryrunde ein. In dieser präsentierten die nominierten Student:innen ihre Projekte vor Publikum in Form eines Science Slams. Dieser fand – wie auch die Preisverleihung – im Rahmen des „12. Tages der Forschung“ des Fachbereichs statt.
Der Preis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert, die auf die sechs Nominierten aufgeteilt wurden.
Die Preisträger:innen und ihre Arbeiten
1. Preis
Stefanie Appelgrün:
Additiv gefertigte Akustikabsorber aus Ton – Entwicklung einer monomateriellen schallabsorbierenden Struktur aus Ton mithilfe von 3D-Druck.
Eingereicht vom Fachgebiet Digitales Gestalten
Stefanie Appelgrüns Arbeit „Additively Manufactured Acoustic Absorbers made from Clay“ untersucht die bislang kaum erforschte Frage, ob additiv gefertigte Tonstrukturen als nachhaltige Schallabsorber eingesetzt werden können – mit dem Ziel, fossile oder kunststoffbasierte Akustikmaterialien durch eine monomaterielle und vollständig recycelbare Tonlösung zu ersetzen.
Da Ton selbst nur eine geringe Schallabsorption aufweist, liegt die wissenschaftliche und gestalterische Leistung dieser Arbeit insbesondere in der Entwicklung geometrischer Prinzipien, welche akustische Wirksamkeit nicht aus dem Material, sondern aus der Form selbst generieren. Hierfür kombinierte Stefanie Appelgrün generative Entwurfsverfahren, computergestützte Simulationen, experimentelle Hallraummessungen sowie additive Fertigungstechnologien zu einer durchgängigen methodischen Kette.
Neben der wissenschaftlichen Qualität zeigt die Arbeit ein hohes gestalterisches Potenzial und steht exemplarisch für eine Forschung, die innovativ, interdisziplinär und zukunftsorientiert ist.
Dotiert mit 2.000 Euro
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2. Preis
Dominik Laspeyres
Keramische Glasuren aus Holzasche – Eine praktische Versuchsreihe zur Aufstellung keramischer Glasurformeln mit der Asche verschiedener Holzsorten im Oxidationsbrand
Eingereicht vom Fachgebiet Plastisches Gestalten
Dominik Laspeyres untersuchte in seiner Forschungsarbeit „Keramische Glasuren aus Holzasche“ systematisch die spezifischen Eigenschaften verschiedener Holzaschen im Keramik-Glasurbrand und entwickelte daraus Grundlagen für neue, eigenständige Glasurrezepturen.
Die Arbeit überzeugt durch ihren bewusst explorativen Ansatz. Ein Dreiecksversuchsaufbau erlaubte ihm, relevante Parameter systematisch zu variieren und belastbare Vergleichsergebnisse zu gewinnen.
So leistet er einen eigenständigen Beitrag zur Weiterentwicklung keramischer Glasuren und zur Erschließung alternativer Materialquellen. Gleichzeitig bietet die Arbeit eine solide Grundlage für weiterführende Forschung – und besitzt sogar Potenzial für eine spätere Ausgründung, denn das entwickelte Konzept ist skalierbar und zukunftsweisend.
Dotiert mit 1.250 Euro
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3. Preis
Anna Schönpflug
AKA-SWING– Experimentelle Entwicklung einer gewebten Sitzfläche
Eingereicht vom Fachgebiet Entwerfen und Raumgestaltung
Im Forschungsmodul „AKA-Swing“ widmete sich Anna Schönpflug der experimentellen Entwicklung einer gewebten Sitzfläche für die Sitzmöbel eines Lernraums in einer ehemaligen Maschinenbauhalle der TU Darmstadt. Ziel war es, gestalterisches Denken mit praxisorientierter Materialforschung zu verbinden und eine langlebige, ergonomische, optisch überzeugende sowie bestenfalls jederzeit reparierbare Sitzfläche zu gestalten. Grundlage bildete eine umfassende Analyse historischer Bespannungstechniken, Materialien und Verbindungsmethoden, die Schwachstellen aufzeigte und neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnete.
In mehreren praxisnahen Experimenten testete Schönpflug systematisch unterschiedliche Webtechniken und Knotensysteme. Ein eigens entwickeltes Bewertungssystem ermöglichte eine objektive Einschätzung von Formstabilität, Komfort und technischer Umsetzbarkeit. Die finalen Prototypen zeigen, wie praxisbasierte Forschung im Entwurfsprozess funktionale und gleichzeitig gestalterisch hochwertige Lösungen hervorbringen kann.
Dotiert mit 750 Euro
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Anerkennungen
Alessandro Garruto
Bespoke Bamboo Prototype – Designorientierte Rastermanipulation und physikalische Simulation von formaktiven Tragsystemen aus Bambus
Eingereicht vom Fachgebiet Digitales Gestalten
Dotiert mit 500 Euro
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Yvonne Herbke
Modulares Leichtbau-Wandsystem aus Wabenplatten in der Anwendung – Dokumentation und Weiterentwicklung eines Prototypen für eine erweiterte Anwendung im Innenausbau mit Bauteilanschlüssen gemäß Fertigungsregel
Eingereicht vom Fachgebiet Plastisches Gestalten
Dotiert mit 250 Euro
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Simon Schneider
Leichtlehmsteine mit Papierzuschlag – Untersuchung von Zeitungspapier und Wellpappe als alternativer Leichtlehmzuschlag
Eingereicht vom Fachgebiet Plastisches Gestalten
Dotiert mit 250 Euro
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Allen Ausgezeichneten einen herzlichen Glückwunsch!
Die Stiftung
Der Stifter
Stifter des Preises ist der freie Architekt und TU-Alumnus Dr.-Ing. Heinz Stillger (1922–2008), der am Tag der Preisverleihung 100 Jahre alt geworden wäre. Heinz Stillger studierte von 1947 bis 1951 am Fachbereich Architektur der Technischen Hochschule Darmstadt. 1952 gründete er sein eigenes Architekturbüro in Bad Camberg, das bald nach Wiesbaden und den Kreis Limburg-Weilburg sowie Wetzlar erweitert wurde. So entstand bei reger Teilnahme an Wettbewerben in diesen Regionen bis 1997 eine Vielzahl privater und öffentlicher Bauten. Kennzeichnend für Heinz Stillgers Architektur ist die überzeugte Orientierung an den gestalterischen Ideen des Werkbundes und des Bauhauses. Heinz Stillger war mit Leib und Seele Architekt. Mit Gründung seiner Stiftung machte er deutlich, dass er sein Leben ganz der Architektur gewidmet hat.
Die Stiftung
Die HEINZ-STILLGER-STIFTUNG ist eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Wiesbaden. Sie wurde 1995 gegründet und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.Ihr Stiftungszweck sind wissenschaftliche und künstlerische Aufgaben insbesondere auf dem Gebiet der Architektur und der handwerklichen Baukunst sowie die Förderung der beruflichen Bildung auf diesem Gebiet. Dieser wird unter anderem verwirklicht durch:
- Die Finanzierung von Forschung und Wissenschaft auf dem Gebiet der Architektur
- Die Unterstützung begabter und Förderungswürdiger Studierender der Architektur
- Die Förderung und Unterstützung der Ausbildung von Handwerksmeistern
- Die Förderung der Denkmalpflege insbesondere historischer Bauten. https://www.stillger-stiftung.de