Architekturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 geht an Absolventin des Fachbereichs
11.06.2026
Fitore Delija, Absolventin des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, wurde am 9. Juni 2026 mit dem Architekturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 ausgezeichnet. Ihre freie Masterarbeit „Geschichte als Haus | Haus als Geschichte", entstanden am Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetypologie von Prof.'in Elke Reichel, überzeugte die Jury aus zehn nominierten Arbeiten auf der Shortlist.
Der mit 20.000 Euro dotierte Architekturpreis der deutschen Wirtschaft wird vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergeben und zählt zu den hochdotiertesten Auszeichnungen für Nachwuchsarchitekt:innen im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr standen erstmals Masterabschlussarbeiten aus Architektur und Städtebau an deutschen Universitäten im Fokus. Aus 30 Einreichungen schaffte Fitore Delija den Einzug auf die Shortlist mit zehn Nominierten – und ging aus den Abschlusspräsentationen als Gewinnerin hervor. Die Endjury fand im Rahmen einer Sitzung bei Kienbaum Consultants International in Berlin statt.
Das Projekt: Das neue HdB
In ihrer freien Masterthesis untersucht Fitore Delija anhand des Sozialzentrums auf dem Frankfurter Unicampus Bockenheim – einem brutalistischen Bau aus den 1970er-Jahren von Heinrich Nitschke – Strategien gegen Abriss und investorengetriebene Stadtentwicklung. Das Gebäude ist derzeit zum Abriss vorgesehen; damit gingen rund 4.500 Tonnen CO₂ grauer Energie verloren.
Der Entwurf greift die Idee der Prozessarchitektur auf: Wie lässt sich Architektur in ihrer zeitlichen Dimension denken, und wie kann ein Bestandsgebäude als Materialbank und Erinnerungsträger zugleich funktionieren? Delija entwickelt ein „Haus der Bevölkerung„ und Umbauforum, das den Bestand respektiert und weiterdenkt. Das Gebäude wird auf seinen rohen Zustand reduziert – Materialien treten in unverstellter Qualität in Erscheinung: Eine abgebrochene Decke wird zur Unterkonstruktion einer neuen Treppe, ein ehemaliger Bodenbelag zum prägenden Fassadenelement. Notwendige Ergänzungen – neue Tragstrukturen in Grün, raumbildende Elemente aus Holz und Glas – treten sichtbar hinzu, ohne die Schichtung der Geschichte zu überdecken.
Das Ergebnis ist ein flexibles Gefüge aus Vergangenheit und Zukunft: progressiv, transformativ und auf gesellschaftliche Teilhabe ausgerichtet.
Jurybegründung
Die interdisziplinär besetzte Jury unter Vorsitz von Prof. Ludwig Wappner (allmannwappner, München) hob in ihrer Begründung hervor:
„Die Arbeit zeichnet sich durch eine unnachahmliche Ausdrucksstärke ihrer analytischen und insbesondere skizzenartigen Storyboards sowie durch handwerklich sauber und präzise entwickelte Zeichnungen und Modelle aus. Diese erfrischende und neugierig machende Herangehensweise eröffnet einen neuen Zugang zum Umgang mit identitätsstiftender Architektur der 60er- und 70er-Jahre. Zugleich richtet sie sich an die Bevölkerung des Frankfurter Westends, eröffnet Perspektiven für bezahlbare Nutzungen und formuliert gesellschaftsrelevante Impulse für einen beliebten Stadtteil – jenseits üblicher kommerzieller Verwertungslogiken.“
Der Jury gehörten als Fachpreisrichter:innen an: Nils Buschmann (ROBERTNEUN™, Berlin), Jette Cathrin Hopp (Snøhetta, Oslo) und Annabelle von Reutern (TOMAS, Berlin). Als Sachpreisrichter:innen wirkten Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, und Nicole Heptner (JUNG, Hamburg) mit.
Über den Architekturpreis der deutschen Wirtschaft
Seit 1954 fördert der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft herausragende Nachwuchstalente der Architektur. Der Preis richtet sich an Absolvent:innen deutscher Universitäten, deren Masterarbeiten innovative und zukunftsgerichtete Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen entwickeln. Neben dem Preisgeld erhalten die Preisträger:innen die Möglichkeit, ihre Arbeit in einem öffentlichen Diskussionsformat vorzustellen – Fitore Delija im Rahmen der JUNG Architekturgespräche 2027 – sowie ein selbstgewähltes Fortbildungs- oder Forschungsprogramm umzusetzen. Die feierliche Preisverleihung findet am 9. Oktober 2026 im Rahmen der 75. Jahrestagung des Kulturkreises in Berlin statt.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Architekturpreis der deutschen Wirtschaft finden sich auf der Website des Kulturkreises.
Eine Dokumentation der Arbeit findet sich auf unserer Webseite.