Stampflehm im Kurpark – Fachgebiet EUG plant Pavillon in Bad Camberg
18.06.2026
Das Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetypologie (EUG) der TU Darmstadt plant gemeinsam mit der Heinz-Stillger-Stiftung und der Stadt Bad Camberg die Errichtung eines Pavillons aus Stampflehm im Kurpark Bad Camberg. Das Projekt verbindet architektonische Forschung, gemeinschaftliches Bauen und Planen und den Einsatz eines regional verfügbaren Baustoffs.
In einer Zeit zunehmender Beschleunigung und Reizüberflutung verfolgt das Projekt „PISÉ FÜR CAMBERG„ ein klares Ziel: Einen Ort der Entschleunigung und bewussten Sinneswahrnehmung zu schaffen. Der geplante Pavillon aus Stampflehm soll im Kurpark Bad Camberg entstehen – zwischen Baumkronen und in unmittelbarer Nähe zu einem Kneipptretbecken. Durch gezielte Lichtführung und die haptische Qualität der Stampflehmoberflächen soll er taktile und visuelle Erlebnisse ermöglichen, die zum Verweilen einladen.
Bad Camberg bietet dafür einen besonderen Kontext: Der Kurort ist das älteste hessische Kneippheilbad und verfügt über eine lange Tradition im Umgang mit dem lokal vorkommenden Lehm – als Heilmittel in der Kneipp-Anwendung ebenso wie als Baustoff, wie mehrere historische Stampflehmhäuser im Ort belegen.
Aus dem Wettbewerb zur Realisierung
Der Ausgangspunkt des Projekts war der Heinz-Stillger-Wettbewerb im Sommersemester 2024, den das Fachgebiet EUG gemeinsam mit der Heinz-Stillger-Stiftung als Entwurfsseminar unter dem Titel „Sekt oder Selters“ durchführte. Der prämierte Beitrag „Pavillons für die Sinne" von Benedikt Benker wurde in der Folge weiterentwickelt. Aus dieser Idee entstand das aktuelle Vorhaben, einen Pavillon als Design-Build-Projekt zu realisieren.
Im laufenden Sommersemester 2026 stehen aktuell Grundlagenarbeit, Vermessung, baurechtliche Recherche sowie Entwurfs- und Ausführungsplanung im Mittelpunkt. Beteiligt sind Prof.'in Elke Reichel, Martin Hamann und Masterabsolvent Benedikt Benker, der als gelernter Maurermeister die Realisierung vor Ort begleiten wird.
Gemeinschaftliches Bauen als Programm
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung: Bürger:innen Bad Cambergs sollen aktiv am Stampfen und Bauen mitwirken. Zudem ist eine Kooperation mit Fachleuten aus dem Gesundheitssektor vorgesehen. Das Projekt versteht sich damit nicht nur als Lehr- und Bauprojekt, sondern auch als Forschungsvorhaben an der Schnittstelle von Architektur, Material und Gemeinschaft.
Der Pavillon ist als dauerhafte Anlage geplant, konstruktiv ist er jedoch auf Rückbaubarkeit ausgelegt. Neben dem Lehm sollen überwiegend lokal verfügbare Materialien zum Einsatz kommen. Die Errichtung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen – die Eröffnung zum 100-jährigen Kurjubiläum der Stadt Bad Camberg im Sommer 2027.
Weiterführende Informationen
Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetypologie