„ZuHaus": Reallabor erprobt Quartierzimmer in München-Haidhausen

Promotionsprojekt von Clemens Hoyer untersucht Nachverdichtungspotenzial von Parkraum in dichten Stadtquartieren

10.07.2026

Im Rahmen eines Reallabors steht derzeit in München-Haidhausen ein temporärer Gemeinschaftsraum auf einer bislang als Parkraum genutzten Fläche. Das „Zuhaus" ist Teil der Promotion von Clemens Hoyer am Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion (Prof. Felix Waechter) der TU Darmstadt und kann noch bis zum 31. Juli 2026 vor Ort besucht und genutzt werden.

Das Reallabor „ZuHaus: Quartierzimmer für Haidhausen – Ein gemeinschaftlicher Raum zum Mitgestalten!„ erprobt unter realen Bedingungen, wie Flächen des ruhenden Verkehrs temporär zu gemeinschaftlich nutzbaren Orten werden können. Über bestehenden Fahrradständern befindet sich eine offene, neutrale räumliche Hülle, die gemeinsam genutzt, gestaltet und weiterentwickelt werden kann.

Zeitfenster zur individuellen Nutzung können über die Website zuhaus-haidhausen.de gebucht werden. Die Website informiert außerdem über das laufende Programm und bietet die Möglichkeit, das Projekt im Rahmen einer vierminütigen Umfrage zu evaluieren.

Wissenschaftlicher Hintergrund
Das Projekt ist Teil der Promotion von Clemens Hoyer an der TU Darmstadt mit dem Titel „Vom generischen zum spezifischen Raum. Das Nachverdichtungspotenzial von Parkraum in dichten, städtischen Quartieren am Beispiel des Franzosenviertels in Haidhausen, München“. Untersucht wird, inwiefern sich die durch den ruhenden Verkehr gebundene Fläche der dichten Stadt als räumliche Ressource neu denken lässt – infrastrukturell, sozial, typologisch und gesellschaftlich.

Ausgangspunkt ist das aus dem ländlichen Raum bekannte Prinzip des Zuhauses beziehungsweise Austragshauses, das älteren Generationen ermöglicht, Platz für die nächste Generation zu schaffen und zugleich im vertrauten Umfeld zu bleiben. Das Projekt überträgt dieses Prinzip auf die Stadt und untersucht die Rolle bisheriger Parkflächen bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen wie Wohnraummangel, Flächenknappheit und veränderten Lebensformen.

Dabei werden zwei Szenarien untersucht: Zum einen könnte auf bisherigen Parkständen neuer Wohnraum entstehen, da die technische Infrastruktur bereits im Straßenraum vorhanden ist. Solche Einheiten könnten etwa Studierenden, Auszubildenden, wohnungslosen Menschen oder Angehörigen sozialer Berufe zugutekommen. Zum anderen – und dies wird aktuell in Haidhausen erprobt – untersucht das Projekt, ob bestimmte Funktionen des Wohnens aus der Privatwohnung in gemeinschaftlich nutzbare Quartierräume ausgelagert werden können. Solche Zuhäuser könnten als Arbeits-, Lern-, Spiel- oder Aufenthaltsräume dienen und den individuellen Wohnflächenbedarf reduzieren, während gleichzeitig nachbarschaftlicher Austausch gefördert wird. Die Zuhäuser werden dabei nicht als Ersatz, sondern als räumliche Ergänzung des Wohnens verstanden.

Warum Haidhausen?
Die Untersuchung konzentriert sich bewusst auf gründerzeitliche Quartiere: Diese verfügen über hohe funktionale Dichte und gute Verkehrsanbindung und erfüllen im Sinne der „15-Minuten-Stadt" nahezu alle Anforderungen des täglichen Lebens in fußläufiger Distanz. Zugleich nimmt in solchen Quartieren der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ab, während hohe Bodenwerte und Wohnraummangel Druck auf die bestehenden Strukturen erzeugen.

Weiterführende Informationen
unter: zuhaus-haidhausen.de