Vom Studium zum eigenen Büro – Otto Closs und Marc Ritz von CURA Architekten
07.09.2026
Nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – wie sieht das in der Praxis aus? In unserer neuen, ab sofort in loser Folge erscheinenden Interviewreihe „Vom Studium zum eigenen Büro" berichten Absolvent:innen des Fachbereichs Architektur von der Gründung ihres eigenen Büros: Wie kam es zur Idee für die Selbstständigkeit? Was waren die größten Herausforderungen?
Wir starten unsere Reihe mit Marc Ritz und Otto Closs von CURA Architekten.
Marc Ritz und Otto Closs studierten Architektur an der TU Darmstadt und schlossen dort 2019 ihre Masterthesen ab. Nach mehrjähriger Tätigkeit in Architekturbüros in Deutschland, Dänemark und der Schweiz, gründeten Otto Closs und Marc Ritz 2022 ihr gemeinsames Büro CURA Architekten mit Sitz in München. Ihr Fokus liegt auf verantwortungsvollen, kreislaufgerechten Bauprojekten, insbesondere auf der Umnutzung bestehender Strukturen sowie in der Anwendung nachwachsender Materialien. Dabei möchten sie nachhaltige Architektur mit hohem gestalterischem Anspruch verbinden. Das ihnen das gelingt, zeigt ihr erstes Projekt – die Erweiterung eines Schulgebäudes zum einem Schulzentrum in Davos – für das sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Beide sind seit 2023 in die Architektenliste der Bayerischen Architektenkammer eingetragen. Im Wintersemester 2025/26 hatten sie die Wüstenrot-Gastprofessur zum Umgang mit dem baulichen Bestand am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) inne.
CURA Architekten: Projekte
Unsere Fragen
Was begeistert euch am meisten in der Architektur?
Uns fasziniert, wie Architektur die Bedürfnisse unserer Gesellschaft sowie unserer Umwelt widerspiegeln kann. Architektur kann zwischenmenschliche Beziehungen, Geschichte und kulturelle Identität einer Gemeinschaft vereinen und Voraussetzungen für eine dauerhafte und nachhaltige Zukunft schaffen. Eine ökologische und kreislaufgerechte Bauwirtschaft ist aktuell noch in den Kinderschuhen. Darin sehen wir eine große Herausforderung, aber auch mit Begeisterung das große Potential, uns als Architekten einzubringen und unsere Gesellschaft mitgestalten zu können.
Studium
Beschreibt euer Studium an der TU Darmstadt in drei Worten.
Inspiration, Saal-Gemeinschaft, Nachtschichten.
Was war die größte Herausforderung im Studium?
Unter all den Möglichkeiten und Einflüssen seinen eigenen Weg zu finden.
In welchem Arbeitssaal habt ihr gearbeitet?
5. West.
Lieblingsgetränk in der Kuhle?
Americano (Marc), Heiße Schoko (Otto).
Bei wem habt ihr Masterthesis gemacht?
Marc hat seine Masterthesis „New Bloomsbury College" im Wintersemester 2018/19 bei Prof. Christoph Kuhn gemacht; sie wurde u. a. mit dem Fachbereichspreis ausgezeichnet. Otto hat seine Masterthesis zur Revitalisierung der Burg Ehrenfels im Sommersemester 2019 bei Prof. i. V. Ruben Lang gemacht; sie wurde mit dem Architektenpreis der Baunetz Campus Masters ausgezeichnet.
Welchen Tipp möchtet ihr Studienanfänger:innen mitgeben?
Versuche, Dinge zu hinterfragen und Neues zu entdecken – mit Neugier und Mut. Nur so können wir die Herausforderungen und Probleme von heute und morgen bewältigen. Finde heraus, was dich motiviert, und entwickle deine eigene Haltung. Architektur ist ein weites Feld, und für ein Problem gibt es immer verschiedene Lösungsansätze. Wenn du weißt, welche Themen dir generell oder speziell im Zusammenhang mit einem bestimmten Entwurf wichtig sind, fällt es dir leichter, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen.
Selbstständigkeit
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch selbstständig zu machen?
Wir haben zusammen an der TU Darmstadt studiert und immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, irgendwann ein eigenes Büro zu gründen. Es war aber nie ein klares Ziel, sondern vielmehr der Wunsch, die Bauwende aktiv mitzugestalten. Uns war bereits im Studium klar, dass wir die Emissionen des Bausektors als ernstes Problem anerkennen und Verantwortung übernehmen wollen. Wenn wir ein Büro gründen, dann mit einer klaren Haltung: Nachhaltigkeit soll selbstverständlich sein, nicht die Ausnahme. Der konkrete Anlass zur Gründung war aber der Gewinn des Wettbewerbs für die Erweiterung einer Schulanlage in Davos. Hier wollten wir alles in unseren Entwurf einbringen, was für uns ein nachhaltiges, innovatives Gebäude ausmacht. Als wir den Wettbewerb gewonnen hatten, war klar: Jetzt müssen wir gründen – quasi über Nacht.
Wie habt ihr den Start in die Selbstständigkeit finanziert?
Wir hatten das große Glück, durch den Wettbewerbsgewinn in unsere Selbstständigkeit mit einem Projekt zu starten, welches uns gleichzeitig die Gründung finanziert hat.
Welches eurer gebauten Projekte würdet ihr als euer persönliches Lieblingsprojekt bezeichnen?
Das Schulzentrum in Davos.
Was ist die größte Herausforderung in der Selbstständigkeit?
Die Geschwindigkeit, mit der wir unser Büro gründen mussten. Alle grundlegenden Entscheidungen mussten innerhalb kürzester Zeit getroffen werden und hat uns nicht nur eine schlaflose Nacht bereitet.
Worauf sollte man bei der Suche nach Partner:innen für die Bürogründung achten?
Das Architekturstudium ist das perfekte Testfeld, um eine Zusammenarbeit auszuprobieren. Bei guten Partnerschaften geht es nicht nur darum, auf einer Wellenlänge zu sein, sondern auch darum, sich gegenseitig zu bereichern, zu überraschen und gleichzeitig kompromissbereit zu sein. Eine gemeinsame Haltung hilft, an das Große und Ganze zu glauben und auf die gleichen Ziele hinzuarbeiten.
Wie geht ihr vor, wenn ein Projekt Kompetenzen erfordert, die im Team bisher niemand aufgebaut hat?
Das Schulzentrum in Davos hat einige Male von uns Kompetenzen eingefordert, die wir zu dem Zeitpunkt noch nicht hatten. Dabei ist es essentiell, offen mit dem Thema umzugehen und auf Planer:innen, Freund:innen oder Kolleg:innen zuzugehen. Die Hilfsbereitschaft vor allem auch aus anderen Büros hat uns beeindruckt. Wer schon einmal ein Büro gegründet hat, weiß, wie herausfordernd es sein kann, und will genau deshalb unterstützen, wenn jemand anderes diesen Schritt wagt.
Welche Haltung ist euch im Büro besonders wichtig?
Das Bauen hat einen sehr großen Einfluss auf unsere Umwelt. Wir verbrauchen Material, produzieren Abfall und nutzen Energie. Im Zentrum unserer Arbeit steht daher die Frage, wie wir bewusst und verantwortungsvoll mit diesen Ressourcen umgehen können. Dafür müssen wir vor allem den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes betrachten und generell versuchen, weniger zu bauen. Daher setzen wir auf die Wertschätzung und Transformation des Bestehenden: Das kann ein ganzes Gebäude sein, aber auch einzelne Bauteile, die wir wiederverwenden. Wo kein Bestand vorhanden ist, arbeiten wir mit ökologischen, lokalen Materialien und legen Wert auf kreislaufgerechtes Bauen. Ein zentrales Thema ist außerdem Flexibilität. Wir wollen Gebäude schaffen, die langfristig anpassbar und umnutzbar bleiben. Durch unsere klare Haltung und Motivation ist unsere Gründung erst möglich geworden. Deshalb sehen wir die Entwicklung einer eigenen Haltung als elementaren Bestandteil des Studiums an.
Möchtet ihr auch berichten?
Habt ihr selbst den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und möchtet eure Gründungsgeschichte in unserer Interviewreihe teilen? Wir suchen Alumni des Fachbereichs Architektur, deren Studienabschluss maximal 15 Jahre zurückliegt. Meldet euch gerne bei uns.