Biographien
In diesem Abschnitt wird exemplarisch auf die Biographie einiger weiblicher Personen eingegangen, die an unserem Fachbereich studiert oder gelehrt haben. Ziel ist es, v.a. die Frauen vorzustellen, die man aufgrund ihrer frühen Tätigkeit in der Architektur an der TH Darmstadt als Pionierinnen in ihrem Bereich bezeichnen kann.
* 1885 in Weilburg
Abitur in Frankfurt am Main, Realgymnasium Musterschule
1908/09 erste reguläre Studentin an der TH Darmstadt in der Abteilung Architektur
1912 verlässt sie die TH Darmstadt, um zu heiraten und zieht nach Berlin
† 1955
Franziska Braun (1855 in Weilburg–1955) ist die erste Frau, die an der TH Darmstadt als reguläre Studentin ein Studium beginnen durfte. Im Wintersemester 1908/09 begann sie mit 23 Jahren Architektur zu studieren. Zuvor hatte sie ihr Abitur an einem Realgymnasium absolviert. Obwohl sie ihren Abschluss nicht an der TH absolvierte, bestand sie als eine der ersten Studentinnen der Hochschule ihre Diplomvorprüfung mit guten und befriedigenden Noten. Ab 1912 ist sie nicht mehr immatrikuliert, Braun zieht nach Berlin, um ihren Verlobten, Heinrich Emil Fliedner zu heiraten und dort vermutlich eine Familie zu gründen. Obwohl über ihren weiteren Werdegang nicht viel bekannt ist, wird ihre Person durch den nach ihr benannten „Franziska-Braun-Preis“ geehrt. Mit diesem Preis, der Frauen in und für Forschung, sowie Lehre an der TU ehrt und alle zwei Jahre mit 25.000€ belohnt wird. Außerdem wurde 2013 eine Straße auf dem Universitätscampus der Lichtwiese eine Straße nach ihr benannt.
Siobhan Haltenberger
Wikipedia: Franziska Braun, online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Franziska_Braun (Zugriffsdatum 25.06.2024).
TU Darmstadt: Franziska Braun: Erste Studentin an der TU online unter: https://www.tu-darmstadt.de/ gleichstellungsbeauftragte/wissenschaft/franziska_braun_preis/index.de.jsp (Zugriffsdatum 22.06.2024).
Abb. 3.1 Portrait von Franziska Braun
https://www.tu-darmstadt.de/gleichstellungsbeauftragte/organisation/aktuelles_13/details_gleichstellungsbeauftragte_104832.de.jsp.
* 1887
Vor 1909 Architekturstudium an der Universität Belgrad
1909 Wechsel an die TH Darmstadt, Studienfach Architektur (Stipendium)
1913 Abschluss als erste Diplom-Ingenieurin Deutschlands an der TH Darmstadt
nach 1913 St. Petersburg, Riga, Moskau, Kiew und Odessa
1922 politische Flucht und Rückkehr nach Belgrad
ab 1922 Leitung des Referats für Universitätsbau im jugoslawischen Bauministerium, dadurch u.a. Mitwirkung an folgenden Bauten:
1929–1932 Kursalon und Badehaus in Banja Koviljača
1930–1938 Kulturzentrum Banski dvor in Banja Luka
Zudem Universitätsbauten für Lehrerinnenausbildung (1933) und Veterinärmedizin (1939) in Belgrad und weitere Gebäude wie (Grund-)Schulen und ein Krankenhaus
1928 Verleihung St.-Sava-Orden der jugoslawischen Regierung
1938 Verleihung Orden der Krone von Jugoslawien
† 1966
Jovanka Bončić-Katerinić, die erste weibliche Studienabsolventin der TH Darmstadt und erste Diplom-Ingenieurin Deutschlands, studierte hier von 1909 bis 1913 an der Abteilung Architektur. Wie viele andere Studentinnen zu dieser Zeit kam sie aus Osteuropa, wo Frauen schon früher als im deutschsprachigen Raum zum Studium zugelassen waren. Durch ein Stipendium hatte sie die Möglichkeit, in Deutschland zu studieren. Nach ihrem Abschluss ging sie zunächst mit ihrem Mann nach Russland, kehrte 1922 in das damalige Jugoslawien zurück, wo sie im Bauministerium als Architektin ein eigenes Referat für Universitätsbauten leitete und von 1930 bis 1941 für den Bau zahlreicher repräsentativer öffentlicher Gebäude verantwortlich zeigte.
Seit 2011 ist ein Preis des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt nach ihr benannt, mit dem Jovanka-Bontschits-Förderpreis werden Forschungen und Studienleistungen von Frauen in dem wissenschaftlichen Bereich ausgezeichnet. Auch eine Straße auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt trägt seit 2013 ihren Namen.
Anja Maria Rohde
Schaderstiftung: Vernissage: „Versäumte Bilder – Frauen in der Wissenschaft sichtbar machen“. Artikel vom 16.01.2024. Online unter: https://www.schader-stiftung.de/veranstaltungen/aktuell/artikel/vernissage-versaeumte-bilder-frauen-in-der-wissenschaft-sichtbar-machen und https://bilderinstitut.de/versaeumte-bilder-darmstadt/#jovanka-boncic-katerinic. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
TU Darmstadt: Jovanka Bončić-Katerinić (Diplom 1913). Online unter: https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/organisation_verwaltung/geschichte_persoenlichkeiten/persoenlichkeiten_1/jovanka_bontschits/index.de.jsp. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Wikipedia: Jovanka Bončić-Katerinić. Zuletzt bearbeitet am: 27. März 2023. Online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Jovanka_Bon%C4%8Di%C4%87-Katerini%C4%87. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Zindović, Milena: „Women in Architecture. Regional forum for women's work in architecture“, 03.03.2019. Online unter: https://www.zua.rs/en/research-en/monumental-simplicity-with-a-german-influence/. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Abb. 3.2 Jovanka Bončić am Zeichentisch, veröffentlicht in „Das Kränzchen. Illustrierte Mädchenzeitung 1913 (Universitätsarchiv TU Darmstadt). Online unter: https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/organisation_verwaltung/geschichte_persoenlichkeiten/persoenlichkeiten_1/jovanka_bontschits/index.de.jsp. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Abb. 3.3 „Zeitungsartikel in der „Berliner Illustrierten“ zum Abschluss der ersten Diplom-Ingenieurin“. Veröffentlicht in: „Women in Architecture. Regional forum for women's work in architecture“, 03.03.2019. Online unter: https://www.zua.rs/en/research-en/monumental-simplicity-with-a-german-influence/. (Kleinerer Bildausschnitt auch zu finden unter: https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/organisation_verwaltung/geschichte_persoenlichkeiten/persoenlichkeiten_1/jovanka_bontschits/index.de.jsp, Archiv TU Darmstadt).
Abb. 3.4 Diplomurkunde Jovanka Bontschits, 1913 (Universitätsarchiv TU Darmstadt)
(Auf den ersten Absolventinnen-Diplomen wurde die männliche Anrede noch händisch durchgestrichen und durch den Zusatz „Fräulein“ ergänzt, wie auch hier auf der Diplomurkunde von Jovanka Bončić). Online unter: https://www.tu-darmstadt.de/universitaet/organisation_verwaltung/geschichte_persoenlichkeiten/persoenlichkeiten_1/jovanka_bontschits/index.de.jsp. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Abbildung 3.5 „KI-generiertes Bild von Jovanka Bončić-Katerinić vor einer Baustelle“. Jovanka Bončić-Katerinić (c) Gesine Born, KI-erstellt. Veröffentlicht in: Vernissage: “Versäumte Bilder – Frauen in der Wissenschaft sichtbar machen". Artikel vom 16.01.2024. Online unter: https://www.schader-stiftung.de/veranstaltungen/aktuell/artikel/vernissage-versaeumte-bilder-frauen-in-der-wissenschaft-sichtbar-machen. Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Abbildung 3.3 Zeitungsartikel in der „Berliner Illustrierten“ anlässlich des Abschlusses von Jovanka Bončić, der ersten Diplom-Ingenieurin Deutschlands.
* 1919
bis 1935 Schülerin an der Eleonoren-Schule in Darmstadt
1935–1938 Wechsel an die Viktoriaschule, da der Abschluss dort zum Universitätsstudium berechtigte, dort abgeschlossene Reifeprüfung
1938 Beginn des Architekturstudiums an der TH Darmstadt (als eine von sechs Frauen an der TH Darmstadt, zwei davon in der Abteilung Architektur)
1939 Kriegsbeginn. Da kleinere Hochschulen wie Darmstadt kurzzeitig geschlossen werden, wechselt Ottilie Schneider nach München
1940 Wiederaufnahme des Lehrbetriebs an der TH Darmstadt, Rückkehr Ottilie Schneiders.
1941 Abschluss als Diplom-Ingenieurin und Beginn einer Assistentinnenstelle am Lehrstuhl Karl Lieser
1944 Regierungsbaureferendarin am Hessischen Hochbauamt, u.a. im Bunker- und Barackenbau für die Reichsbahn
1946–1954 Anstellung an der TH Darmstadt, Lehrstuhl Prof. Karl Gruber, Beteiligung am Wiederaufbau von Kirchen und dem Schloss in Darmstadt
† 2015
Ottilie „Otti“ Schneider (später verheiratete Reinheimer) war eine Darmstädterin, die 1941 an der TH Darmstadt ihr Architekturstudium abschloss. In der früheren Nachkriegszeit war sie die einzige weibliche Lehrstuhlassistentin an der TH Darmstadt. Sie war ab 1946 am Lehrstuhl Entwerfen, Städtebau und Mittelalterliche Baukunst von Prof. Karl Gruber an der TH Darmstadt angestellt und in der Nachkriegszeit mitverantwortlich für den Wiederaufbau verschiedener Kirchen in ihrer Heimatstadt Darmstadt.
Anhand der erhaltenen Probearbeit von ihr aus dem Jahr 1944 im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit am Hessischen Hochbauamt in ihrem Nachlass kann man erkennen, dass sie Wert auf ihre weibliche Berufsbezeichnung „Regierungsbaureferendarin“ legte.
Anja Maria Rohde
Kümmel, Verena: „Studieren in einer zerstörten Stadt. Vom Glück, die Zeitzeugin Ottilie Reinheimer befragen zu können“. Veröffentlicht in: Hoch3. Die Zeitung der Technischen Universität Darmstadt. Jahrgang 4, 30. Juni 2008, S. 5. Online unter: https://www.tu-darmstadt.de/media/daa_responsives_design/01_die_universitaet_medien/aktuelles_6/publikationen_km/hoch3/pdf/hoch3_2008_4.pdf (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet). Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Martin, Wolfgang: „Otti Reinheimer. 02.01.1919–08.09.2015“ Nachruf, veröffentlicht in: Schützt Darmstadt. Darmstadtia e.V., Heft – Nr.: 28-2016/1. Online unter: https://heimatverein-darmstadtia.de/wp-content/uploads/2019/09/DF_DS_Darmstadtia_2016_01-web.pdf (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet). Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Schwarm, Armin: „Architektin des Wiederaufbaus und Lokalhistorikerin: Otti Reinheimer – vor 100 Jahren geboren“. Veröffentlicht in: Schützt Darmstadt. Darmstadtia e.V., Heft-Nr. 34 (2019/1); S. 8–9. Online unter: https://heimatverein-darmstadtia.de/wp-content/uploads/2019/09/DF_DS_Darmstadtia_2019_01-web.pdf (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet). Zuletzt abgerufen am: 24.06.2024.
Abb. 3.6 Ottilie Schneider (…) beim Unterricht in der Abteilung für Architektur im Jahr 1943
(Zybell, Uta; Kümmel, Verena: 100 Jahre Studium von Frauen an der TU Darmstadt, Darmstadt 2008).
Abb. 3.7-3.8 Ottilie Schneiders Aufgabenstellung zur Probearbeit als Regierungsbaureferendar(in), Universitätsarchiv der TU Darmstadt, Nachlass Ottilie Reinheimer.
* 1890 in Darmstadt
1896–1900 Schülerin des Reinecksche Instituts, Darmstadt
1900–1906 Schülerin der Viktoriaschule, Darmstadt
1915 Geburt einer unehelichen Tochter, die in eine Pflegefamilie gegeben wird
1915–1917 Reifeprüfung am Realgymnasium in Gießen
1917–1918 Zwei Semester Studium in Kunstgeschichte und Klassischer Archäologie an der TH Darmstadt
1918–1922 Studium an der Universität Bonn & Frankfurt a.M., dort promoviert (Dr. phil.)
Ab 1922 Assistentin an der TH Darmstadt in der Abteilung Kultur- & Staatswissenschaften
1929 Erste habilitierte Kunsthistorikerin Deutschlands & Ernennung zur Privatdozentin für Kunstgeschichte an der TH Darmstadt
1929–1937 Assistentin für Kunstgeschichte & Lehre am Fachbereich Architektur
1934 Ernennung zur außerplanmäßigen, außerordentlichen Professorin für Kunstgeschichte
1937 Verlust ihrer Assistentenstelle an der TH Darmstadt
1937–1946 Freie Mitarbeiterin am Institut für wissenschaftliche Projektion in Berlin bei Franz Stoedtner
1946–1959 Leitung des nach Düsseldorf transferierten Bildarchivs nach dem Tod von Franz Stoedtner
† 1987 in Dachau
Ottilie Rady spielt nicht nur für Frauen an der Technischen Universität Darmstadt eine wichtige Rolle, sondern sorgt als erste deutsche Kunsthistorikerin überhaupt in Deutschland landesweit für Aufsehen. Auch an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt ist ihr Werdegang eine Premiere. Mit 25 Jahren holt sie nach dem Tod ihres Verlobten 1914 und der Geburt einer unehelichen Tochter 1915, die in einer Pflegefamilie aufwächst, ihr Abitur nach und beginnt ab dem Moment einen neuen Lebensabschnitt, und zwar das einer akademischen Karriere als Frau. Nach ihrem Studium, das teilweise an unserer Hochschule absolviert wird, ihrer Promotion zum Dr.-phil. in Frankfurt am Main und ihrer Assistentenstelle, die sie daraufhin zurück nach Darmstadt führt, ist sie die erste Kunsthistorikerin Deutschlands, der 1929 der Weg zur Habilitation gelingt. Nach ihrer fünfjährigen Tätigkeit als Privatdozentin wird sie 1934 offiziell zu einer außerplanmäßigen, außerordentlichen Professorin ernannt, als erste weibliche Professorin an der TH Darmstadt überhaupt. Diesen Lehrberuf übt sie jedoch nur etwa drei Jahre aus, im Jahr 1937 kündigt man ihr (vermutlich aus politischen Gründen) ihre Assistentenstelle, sodass sie durch einen männlichen Kollegen ersetzt wird und die nächste Professorin an der TH Darmstadt erst 1971, also 34 Jahre später, eingestellt wird. 1937 ist Radys Tätigkeit an unserer Hochschule beendet – sie zieht nach Berlin, wo sie am Institut für wissenschaftliche Projektion an Franz Stoedtners Seite arbeitet, diesen heiratet und nach dessen Tod 1946 das Bildarchiv übernimmt.
Siobhan Haltenberger
Salge, Christiane: Ottilie Rady. Die erste habilitierte Kunsthistorikerin Deutschlands, in: Beißwanger, Lisa, Karentzos, Alexandra und Salge, Christiane (Hrsg.): Zwischen Enklave und Vernetzung: Kunstgeschichte an der TU Darmstadt, Heidelberg: arthistoricum.net-ART-Books, 2022, S. 111–144. (arthistoricum.net: https://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/reader/download/890/890-17-101160-1-10-20221121.pdf (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet))
Krippner, Verena: Zwischen Frauenbewegung und Faschismus: Ein Kunsthistorischer Artikel in der „Völkischen Frauenzeitung“, in: KulturGut: aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseum Nr. 78 (2023). (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/kulturgut/article/view/97257)
Salge, Christiane: Ottilie Rady, online unter: https://www.architektur.tu-darmstadt.de/150-jahre-kunstgeschichte/personen_150/rady_bio_150.de.jsp (Zugriffsdatum 25.06.2024).
Abb. 3.9 Ottilie Rady als Leiterin des Lichtbildverlags Dr. Franz Stoedtner, 1954, (Foto: Unbekannt, Ausschnitt aus einem Beitrag in der Zeitschrift „Die Darmstädterin“, März 1954, Nürnberg, GNM, DKA, Nachlass Ottilie Thiemann-Stoedtner, I, B-2).
Abb. 3.10 Ottilie Radys Ernennung zur außerordentlichen Professorin an der TH Darmstadt, 15. 10. 1934 (Nürnberg, GNM, DKA, Nachlass Ottilie Thiemann-Stoedtner, I, B-9)
Abb. 3.11 Ottilie Radys Habilitationszeugnis. Erteilung der Venia Legendi an Ottilie Rady durch die TH Darmstadt, 22. 06. 1929, (Nürnberg, GNM, DKA, Nachlass Ottilie Thiemann-Stoedtner, I, B-9).
* 1945 in Konstanz
1971 abgeschlossenes Architekturstudium an der TH in Karlsruhe
1990–2005 Architekturmanagerin in politischen Positionen
1990 Berufung zur Präsidentin der Bundesbaudirektion
1994–1996 Professorin für Entwerfen und Raumgestaltung an der TH in Darmstadt
1996–1999 Senatsbaudirektorin in Berlin
Als Barbara Jakubeit 1994 ihre Professur für Entwerfen und Raumgestaltung antrat, war sie, nach der zwischen 1973 und 1990 für das Fachgebiet „Zeichnen, Malen und Graphik“ eingestellten Professorin Ingeborg Wiedebusch (1925–2022), die zweite „ordentliche“ Professorin am Fachbereich Architektur überhaupt. Sie brachte sehr viel praktische Erfahrung als freie Architektin, Regierungsbaurätin und Bundesbaudirektorin mit an den universitären Arbeitsplatz, lehrte jedoch insgesamt nur drei Semester an der TH Darmstadt. Grund dafür war ein auf drei Jahre begrenztes Stellenangebot als Senatsbaudirektorin in Berlin, das sie 1996 annahm. Da sie plante nach den drei Jahren nach Darmstadt zurückzukehren, bat sie um Beurlaubung für diesen Zeitraum. Ihr Ansuchen wurde im Fachbereich nicht positiv aufgenommen und letztendlich auch nicht genehmigt. Aus Frust über ihre kurze Zeit und den schnellen Abgang von der Universität wird sie gebeten, die TH entweder ganz oder gar nicht zu verlassen. Um dieses Meinungsbild zu unterstreichen, mauern Studierende im Mai 1996 die Eingangstür ihres Fachgebiets mit Ziegeln zu. Somit hatte Jakubeit bereits 1996 den Fachbereich Architektur wieder verlassen. Ab 2002 leitete Dörte Gatermann als nächste weibliche Professorin das Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetechnologie, sie blieb allerdings nur bis 2007, und im Anschluss kam es erst 2006 mit Annette Rudolph Cleff und Franziska Lang erneut dazu, dass weibliche Professorinnen berufen wurden.
Siobhan Haltenberger
Wikipedia: Barbara Jakubeit, online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Jakubeit (Zugriffsdatum 25.06.2024).
Wannemacher, Annette: „Sie soll nach Berlin gehen und dort bleiben“. TH-Architekturstudenten verärgert über Weggang Jakubeits – Urlaub nach drei Semestern, in: Darmstädter Echo, Darmstadt, 17.05.1996, S. 11 (Pressemappe Archiv FB Architektur).
Mauerbau für eine Architektin: Protest gegen Abwanderungspläne von Professorin Jakubeit, Foto Jüs, Darmstadt, ca. Mai 1996 (Pressemappe Archiv FB Architektur).
Mauerbau an der TH: Studenten protestieren gegen Umzugsplan einer Professorin, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.1996, S. 51 (Pressemappe Archiv FB Architektur).
Abbildung 3.12 „Portrait von Barbara Jakubeit“. Abbild Barbara Jakubeit „Barbara Jakubeit“. Online verfügbar unter: https://www.tu-media.archinform.net/m/70057038.jpg Zuletzt abgerufen am 25.06.2024.
Abbildung 3.13 „Zeitungsartikel zum Vorfall des Zumauerns von Jakubeits Büro aus 1996“. Foto eines Zeitungsartikels: Mauerbau für eine Architektin: Protest gegenAbwanderungspläne von Professorin Jakubeit, Verfasser?, Foto Jüs, ca. Mai 1996.