Unrecht erinnern

19.03.2015

Unrecht erinnern

Diskussion und Ausstellung studentischer Entwürfe in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin

Am Fachgebiet Entwerfen und Freiraumplanung wurden im Wintersemester 2014/15 unter der Leitung von Dr. Constanze A. Petrow und M.Sc. Inga Bolik erste Entwürfe für ein Denkmal für die politisch Verfolgten in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR erarbeitet. Für die Errichtung eines solchen Denkmals an zentraler Stelle in Berlin engagiert sich die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Sie regte auch das Entwurfsseminar an. Die studentischen Arbeiten werden auf einer Veranstaltung am 25.03.2015 in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstr. 35, öffentlich zur Debatte gestellt und in einer Ausstellung täglich von 10 bis 18 Uhr bis zum 14. April präsentiert.

Das Denkmal soll an all jene erinnern, denen Unrecht widerfahren ist, die gelitten haben und die das Erlebte oft für den Rest ihres Lebens geprägt hat: Menschen, die „unbequem“ waren und Berufsverbot bekamen, die in den Gefängnissen der Staatssicherheit einsaßen, die enteignet wurden und die bei dem Versuch, die Mauer zu überwinden, getötet wurden. Die Studierenden entschieden selbst, welchen Aspekt des stattgefundenen Unrechts sie in den Mittelpunkt stellen. Entsprechend groß ist die Bandbreite der entwickelten Vorschläge: An einem Ende steht der Entwurf von Isabella Mugavero und Robert Maximilian Sand, der sich auf eine extreme Form der Demütigung von Regimegegnern bezieht: die Wasserzelle in Gefängnissen der Staatssicherheit. Historisch nicht eindeutig belegt, taucht sie jedoch in vielen Zeitzeugenberichten auf. Das andere Ende bildet der Entwurf von Patricia Pesch, der eine einzige Emotion darstellt: die Sehnsucht nach Menschen, von denen man getrennt worden ist. Mit dieser Sehnsucht mussten Menschen in beiden Teilen Deutschlands leben; es handelt sich also um ein prägendes und zugleich verbindendes Gefühl dieser Epoche. Alle anderen Entwürfe thematisieren Erfahrungen oder Lebensbedingungen, die für viele Menschen in der DDR Alltag waren: die Angst vor Bespitzelung, die Hinderung an einer freien Meinungsäußerung, die Beschränkung persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten. Die Formung durch das System und die dabei doch unzerstörbare Individualität des Menschen stellt der Entwurf von Tung Bui „Der geformte Mensch“ dar (siehe Abbildung).

Einen Artikel aus dem Tagesspiegel finden Sie hierund einen Hörfunkbeitrag hier

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