Wer bestimmt die Architektur? – Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs

17.09.2018

Wer bestimmt die Architektur? – Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs

Call for Papers für einen Workshop zum Nachlass von Max Bächer – Preisrichter, Architekt und Publizist (1925–2011)

Am 16. und 17. Januar 2019 veranstaltet das CCSA-Center for Critical Studies in Architecture am Fachbereich einen Workshop zum Nachlass von Prof. Max Bächer. Als Professor für Entwerfen und Raumgestaltung an der Technischen Universität Darmstadt betreute er zwischen 1964 und 1994 nicht nur Entwürfe, legendäre Exkursionen und hielt Vorlesungen, sondern rief auch die bis heute populären Mittwochabend-Vorträge ins Leben.

Bis zum 8. Oktober können Vortragsvorschläge eingereicht werden.

Wer entscheidet, was gebaut wird? In vielen Fällen, zumal bei öffentlichen Aufträgen, werden die Entwürfe von Gremien diskutiert. Kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer. Oftmals war er „der große Vorsitzende“, wie er von Kollegen ehrfürchtig genannt wurde, der die Ergebnisse mitunter wortgewaltig verteidigte. In seinem Nachlass finden sich Unterlagen zu mehr als 400 Architekturwettbewerben. Obwohl der Diskussionsverlauf einer Jurysitzung der Vertraulichkeit unterliegt und nur das Ergebnis bekanntgegeben wird, sind zahlreiche Briefe aus dem Umfeld der Beratungen überliefert, in denen Bächer engagiert für die Baukultur streitet und seinen Einfluss geltend macht. Beispielsweise erklärt er einem Preisträger auf mehreren Seiten, an welchen Stellen dessen siegreicher Entwurf nach Meinung der Jury noch nachgearbeitet werden sollte. Auch beim Wettbewerb für das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin, einem Projekt des Bundeskanzlers Helmut Kohl, übernahm Bächer 1988 den Vorsitz des Preisgerichts. Das DHM war zuvor ein Thema erbitterter Feuilletondebatten, da die Museumsneugründung im Nachgang des „Historikerstreits“ als konservatives Leitkulturprojekt galt. Dass der italienische Postmodernist Aldo Rossi den Wettbewerb gewann, bestätigte bei vielen Kritikern die Sorge über eine neue Monumentalität im staatlichen Auftrag – und Bächer versuchte die Wogen zu glätten. Auch große Wettbewerbe nicht-öffentlicher Auftraggeber moderierte Bächer, so etwa zum Potsdamer Platz in Berlin oder zur Ditip-Zentralmoschee in Köln. Wohl kein zweiter Architekt in der Bundesrepublik hat häufiger die Werke anderer Architekten beurteilt, gefördert, kritisiert oder auch verhindert als Bächer. Wie hat er sich zu den Architekturtendenzen in der langen Zeitspanne zwischen 1960 und 2010 verhalten? Wie prägte Bächer die Architektur der BRD? – das sind einige der Fragen, die durch seinen Nachlass aufgeworfen werden.

Zu den Materialien Bächers, die im Deutschen Architekturmuseum (DAM) verwahrt werden, zählen nicht allein Wettbewerbsunterlagen. Bächer war sehr viel mehr als „der große Vorsitzende“. 1956 begann er als selbständiger Architekt in Stuttgart zu arbeiten und realisierte dort unter anderem den „Kleinen Schlossplatz“, ein Ensemble des Brutalismus, das 2002 abgerissen wurde. Als Professor für Entwerfen und Raumgestaltung an der Technischen Universität Darmstadt betreute er zwischen 1964 und 1994 nicht nur Entwürfe, legendäre Exkursionen und hielt Vorlesungen, sondern lockte die wichtigsten Architekturschaffenden seiner Zeit zu den Mittwochabendvorträgen nach Darmstadt. Nicht zuletzt war er ein homme de lettres: Er publizierte Artikel und Bücher, war im Redaktionsbeirat der BDA-Zeitschrift Der Architekt und mischte sich als unermüdlicher Briefeschreiber immer wieder beherzt in die Debatten seiner Zeit ein.

Bächers umfangreicher Nachlass wurde 2012 vom DAM übernommen, ist seit 2018 nach Projekten inventarisiert und soll nun der Forschung geöffnet werden. Den Auftakt bildet ein Workshop vom 16.–17.01.2019 an der TU Darmstadt, zu dem einige Weggefährten Bächers sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen werden, die zu Fragen des Wettbewerbswesens, zu Netzwerken oder zum Architekturdiskurs der Nachkriegszeit arbeiten. Mit dem Call for Papers sollen (Nachwuchs-)WissenschaftlerInnen angesprochen werden, deren Forschungsprojekte sich in diesen Zusammenhang einfügen.

Einreichung

Wir bitten alle Interessierten, uns bis zum 08.10.2018 Vorschläge für einen 20 minütigen Vortrag per E-Mail an zu senden. Die Themenvorschläge sollten in Form eines Abstracts (max. 2000 Zeichen) und einer Kurzbiographie in Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Konferenzsprache ist Deutsch. Die ausgewählten Teilnehmenden werden bis zum 31.10.2018 benachrichtigt. Für die Teilnahme am Workshop werden Fahrtkosten und Unterkunft gezahlt.

Call for Papers herunterladen

Das CCSA 

Der Workshop ist Bestandteil einer Kooperation zwischen dem Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Dr. Carsten Ruhl, Dr. Stefanie Heraeus), dem Fachgebiet Architektur- und Kunstgeschichte des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt (Prof. Dr. Christiane Salge) und dem Deutschen Architekturmuseum (Oliver Elser) und findet im Rahmen des CCSA – Center for Critical Studies in Architecture statt. Finanziert wird der Workshop durch die Allianz der Rhein-Main-Universitäten.

CCSA-Webseite

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