Nahversorgung und Gemeinschaft im Dorf nachhaltig etabliert

05.07.2020

Nahversorgung und Gemeinschaft im Dorf nachhaltig etabliert

„Dorfgemeinschaffen in Golzow“ war ein Kooperationsprojekt zwischen der Gemeinde Golzow im Oderbruch und der TU Darmstadt.

Im Laufe des Projektes wurde das Nahversorgungskonzept „Dorfladen+“ mit der Bevölkerung vor Ort entwickelt. Das Ziel war, der schrumpfenden Kommune neue Zukunftsperspektiven eröffnen.

© Christoph Große / Sto-Stiftung

Mit der Unterstützung der gemeinnützigen Sto-Stiftung und den Golzowern selbst haben Studierende des Fachbereichs im vergangenen Sommer in einem leer stehenden Gebäude den Dorfladen gestaltet und dem Dorf damit wieder neues Leben eingehaucht. Der „Dorfladen+“ gehört zu sogenannten „Design-Build-Projekten“ Architekturstudierender, die im Rahmen von Summerschools jährlich weltweit von der Sto-Stiftung gefördert werden.

Das Dorf Golzow im brandenburgischen Oderbruch steht exemplarisch für viele Städte und Gemeinden in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands. Dem zu DDR-Zeiten mit einer der größten landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) des Landes florierendem Dorf fehlte es dreißig Jahre nach der Wende an Möglichkeiten zur Nahversorgung seiner Bürger vor Ort. Einen Lebensmittelladen gab es nicht. Der letzte Bäcker im Dorf erwog die Schließung. Durch das Summerschool-Projekt von Studierenden der TU Darmstadt änderte sich diese Situation.

Die Arbeit an dem Ladengebäude hat einen positiven Impuls ausgelöst. „Das Dorfleben und unsere Gemeinschaft wurden wieder aktiviert“, freut sich Bürgermeister Frank Schütz (CDU). „Das einst studentische Projekt ist jetzt unseres. Wir haben es in unserem Dorf etabliert und können der Stiftung nur dankbar sein, dieses mit uns hier verwirklicht zu haben“, fügt Schütz an. Von Anfang an haben sich die Golzower stark an dem Projekt beteiligt. Darunter war auch Christine Rauter. „Ich habe als Praktikantin angefangen. Seit Januar habe ich eine feste Anstellung bei der Gemeinde. Ich kümmere mich um die Wochenmärkte und weitere Aktivitäten im Laden, z. B. Treffen von kleinen Vereinen oder Interessengruppen, die nach den Corona-Lockerungen jetzt wieder an Fahrt gewinnen “, erklärt sie.

Der Architekt Christoph Muth, damals Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Entwerfen und Städtebau, hat das Projekt im Sommer 2019 noch von Darmstadt aus mitgeleitet. „Das Projekt in Golzow hat Beispielcharakter für alle strukturschwachen Regionen in Deutschland. Die Vielseitigkeit des Ladens, seine Mischung aus Geschäft und Begegnungsstätte, hat den Dorfbewohnern einen neuen Anlaufpunkt im Ort gegeben, an dem sie nun festhalten wollen“, erklärt Muth. Man habe langfristig Strukturen geschaffen, die von den Menschen weitergedacht und an die Bedarfe angepasst wurden. „Das bringt den hier benötigten Wandel“, fügt er an.

„Das Echo in Brandenburg ist groß. Gegenwärtig entsteht eine Kooperation zwischen dem Fachgebiet Stadtplanung der Uni Cottbus – Senftenberg und dem Landkreis Oder-Spree“, freut sich Muth. Auch die Landesregierung habe Interesse gezeigt. Das Projekt wurde bereits vor einem Jahr durch die Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg (FAPIQ) gefördert. „Das FAPIQ agiert in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg. Es unterstützt Landkreise und kreisfreie Städte, Initiativen und Menschen vor Ort bei der Entwicklung und Realisierung alternsfreundlicher Lebensräume“, erklärt der Architekt.

Aktuell planen die Mitarbeiter des „Dorfladens+“ die Teilnahme an einem Kulturprojekt zur Nahversorgung auf dem Land, das vom Oderbruch Museum Altranft finanziell unterstützt wird. „Darüber hinaus wird Laden durch ein multifunktionales Abholregal für alle, die nicht zu den Markttagen kommen konnten, weiter ausgebaut“, ergänzt Muth.

Weitere Informationen zu diesem Projekt.

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