6. Tag der Forschung

17.12.2019

6. Tag der Forschung

Architektur im interdisziplinären Kontext

Die Zukunft unserer gebauten Umwelt zu gestalten, ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Klimawandel, Bevölkerungswachstum, fortschreitende Urbanisierung und Ressourcenknappheit erfordern Innovationen im Entwerfen, Planen und Bauen, die keine Disziplin alleine hervorbringen kann.

Aus diesem Grund setzte der 6. Tag der Forschung am Fachbereich Architektur am 4. Dezember 2019 den Fokus auf „Architektur im interdisziplinären Kontext“.

Der Fachbereich Architektur profitiert schon heute von dem breiten Spektrum an Fachdisziplinen und dem beeindruckenden Innovationspotenzial der TU Darmstadt. Umgekehrt gibt Architektur Forschungsergebnissen eine Gestalt, macht sie sichtbar und begreifbar.

Dekanin Prof. Anett-Maud Joppien eröffnete die Veranstaltung mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Tages der Forschung. Dr. Heike Lorenzen-Schmidt, Leiterin des Referats Forschungsförderung und Förderung Wissenschaftlicher Nachwuchs der TU, stellte die Angebote Ihres Referates vor und Prof. Dr. Oliver Tessmann, Vorsitzender der Forschungskommission des Fachbereichs, verwies auf die zahlreichen Forschungsaktivitäten und -erfolge des Fachbereichs im vergangenen Jahr.

6. Tag der Forschung: Begrüßung durch Dekanin Prof. Anett-Maud Joppien. Fotos: Hanna Andal / Frank Metzger
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6. Tag der Forschung: Begrüßung durch Dekanin Prof. Anett-Maud Joppien. Fotos: Hanna Andal / Frank Metzger

Auszeichnung für studentische Forschung
Im anschließenden Science Slam des Heinz-Stillger-Preises stellten die sechs Nominierten in kurzen Vorträgen ihre Projekte vor und stellten sich den Fragen der Jury. Die Themen der eingereichten Arbeiten reichten u.a. vom Nutzen grüner Infrastrukturen für asiatische Großstädte über die fachgerechte Sanierung und Restaurierung des Bad Nauheimer Sprudelhofs bis hin zu den geänderten Brandschutz-Anforderungen bei Gebäuden durch dezentrale Energiespeicher.
Mit dem Preis der Heinz-Stillger-Stiftung werden seit 2017 herausragende studentische Forschungsarbeiten im Bereich der Architektur ausgezeichnet. In diesem Jahr wurden 16 Projekte eingereicht, die das gesamte Spektrum architektonischer Forschung am Fachbereich abdeckten. Aus diesen wurden in einer ersten Juryrunde die Kandidat*innen für den Science Slam ausgewählt. Die Preise wurden dann vor dem Mittwochabend-Vortrag verliehen.

Wie uns die anderen sehen 
Bei der Fish-Bowl-Diskussion „Architektur in einem interdisziplinären Kontext wie der TU Darmstadt“ präsentierten Gäste aus den Fachbereichen Soziologie, Bauingenieurwesen und Philosophie sowie aus der Universitäts- und Landesbibliothek und vom Profilbereich Energiesysteme der Zukunft in kurzen Statements ihre Sicht auf die Architektur und stellten bestehende wie mögliche Kooperationen mit dem Fachbereich vor. Dabei wurde die der Architektur inne liegende starke Interdisziplinarität als Qualität benannt. Die Architektur vereint eine große Bandbreite an Disziplinen, von der Technologie über die Gestaltung bis zu den Gesellschaftswissenschaften. Damit hat sie die Kompetenz sinnstiftende Anwendungen für Technologien auch in anderen Disziplinen zu identifizieren. Der architektonische Entwurf kann somit über die reine Problemlösung hinausgehen. Damit einher geht zudem ein hohes Maß an Verantwortung. 

Unsere Gäste forderten mehr Technikoffenheit ein. Architekt*innen sollten zwar nicht zu Ingenieur*innen werden, müssten aber über das notwendige technische Wissen verfügen, um sich mit anderen Disziplinen austauschen zu können. Nur bei einem Austausch auf Augenhöhe können die gestaltgebenden Kräfte im Entwurf aktiv werden. Gestaltung ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und unserer Wertvorstellungen. Eindrucksvoll wurde dies demonstriert an einem Beispiel aus dem Produktdesign, das aufzeigte, wie sich Geschlechterklischees in der Gestaltung von funktionsähnlichen Küchengeräten und Elektrowerkzeugen niederschlagen. Übertragen auf die Architektur stellte sich die Frage, welche Wertvorstellungen, Faktoren und Prozesse die Formentstehung in der Architektur beeinflussen.

Ausstellung zeigte die Bandbreite
Die angeregte Diskussion wurde beim Mittagessen in der begleitenden Ausstellung fortgesetzt. Die Ausstellung versammelte exemplarische Projekte interdisziplinärer Forschung am Fachbereich. Auch hier war die Bandbreite hoch: Entwurfsbezogene, kunsthistorische, gebäudetechnische, virtuelle, städtebauliche und materialbezogene Arbeiten wurden in Form von Postern, Modellen und VR-Installationen vorgestellt.
Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen des Fachbereichs nutzen die Ausstellung, um mit einem Offenen Brief den Diskurs rund um das Promovieren am FB 15 anzustoßen. Die Poster regten nicht nur zu Gesprächen an, sondern gaben allen WiMis die Möglichkeit, ihre Situation einzuschätzen und Gesprächsbedarfe zu formulieren. Die Rückmeldungen zeigten deutlich, dass vor allem bei den zeitlichen Rahmenbedingungen im Alltag der WiMis dringender Handlungsbedarf besteht, um das Promovieren zu ermöglichen.

5 Minuten für die Forschung
Am Nachmittag zogen die Kurzvorträge von Promovierenden und Studierenden des Fachbereichs ein großes Publikum an. Die zwölf Vortragenden hatten jeweils exakt fünf Minuten Zeit, um ihre Promotionsvorhaben und Projekte vorzustellen. Aus dem anschließenden Publikums-Voting gingen die Studentin Louisa Wenkemann und Post-Doc Clemens Brünenberg als Sieger hervor. Architekturstudentin Louisa Wenkemann stellte das Startup NAKT vor, das in Kürze ein nachhaltiges Abschminktuch auf den Markt bringen wird (https://www.nakt.eu/). Clemens Brünenberg berichtete von seinen Forschungen zur Nutzung von VR-Anwendungen in der Bauforschung am Beispiel der römischen Weltkulturerbestätten Triers. 

Den Abschluss des Tages bildete der Mittwochabend-Vortrag des Londoner Architekten Gilles Retsin und die anschließende Robot Bar am Fachgebiet Digitales Gestalten. Gilles Retsin nutzt das Potenzial hoher Rechnerleistung und computergestützter Fabrikation, um Gebäude und Objekte mit einer zuvor nicht gekannten Struktur, Detailtreue und Materialität zu erzeugen. Die seinen Arbeiten eigene Verbindung von Digitalem und Analogem, expressiver Gestaltung und modularem Aufbau, zeigte eine weitere Facette der interdisziplinären Potenziale der Architektur auf.

Weiterführende Informationen:
Das vollständige Programm des Tages der Forschung

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