Zweimal Trier, einmal Olympia

03.02.2020

Zweimal Trier, einmal Olympia

Neue Projekte am Fachgebiet Klassische Archäologie

Im letzten Quartal konnte das Fachgebiet Klassische Archäologie am Fachbereich Architektur dreifach bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) überzeugen und mit zwei neuen und einem Nachfolgeprojekt beginnen.

Wegeführung und Erschließung der Trierer Kaiserresidenz

Bereits im Oktober 2019 startete Dr. Maria D’Onza ihre Untersuchungen zum römischen Trier unter dem Titel „Restricted Area oder Interaktionsraum zwischen Kaiser und Civitas? Wegeführung und Erschließung der Trierer Kaiserresidenz“.

Zentrale Frage des Forschungsprojektes ist, ob der Palastbezirk in Trier als ein klar vom umliegenden Stadtgefüge abgegrenzter Bereich oder mit diesem über Platzanlagen und Straßen eng verzahnt war. Das Projekt wird erstmals einen systematischen Zugriff auf das Trierer Material bieten, um eine synthetische Analyse des gestalteten und gelenkten Straßenraums zwischen römischer Stadt und Palastareal zu erstellen. Dies erfolgt über die Herausarbeitung der sich wandelnden Erschließungssysteme und Funktionen dieses Stadtviertels vom ersten bis zum Ende des vierten Jahrhunderts in Hinblick auf bauliche Veränderungen, Weiternutzung von Gebäuden, Straßen und Plätzen.

Die Förderdauer beträgt drei Jahre.

Das Projekt in der Projektdatenbank der DFG.

Trier: Luftbild von Trier. Im Vordergrund die Kaiserthermen, dahinter das Areal der Kaiserresidenz
Trier: Luftbild von Trier. Im Vordergrund die Kaiserthermen, dahinter das Areal der Kaiserresidenz

Augmented Reality als Rekonstruktionswerkzeug der Bauforschung

Im November folgte ein weiteres Projekt mit einem Untersuchungsobjekt in Trier. In „Augmented Reality als Rekonstruktionswerkzeug der Bauforschung. Interdisziplinäre Methodenentwicklung in den Mixed Realities am Beispiel der römischen Weltkulturerbestätten Triers“ entwickelt Dr.-Ing. Clemens Brünenberg grundlegend neue Rekonstruktionsmethoden für die historische Bauforschung.

Mithilfe der technischen Möglichkeiten der Augmented Reality (AR) wird in diesem Projekt der Entstehungsprozess von dreidimensionalen Rekonstruktionsmodellen erstmals direkt mit dem Untersuchungsobjekt verbunden und damit die Rekonstruktionsmethodik neu definiert. Allein durch die immersive Wirkungsweise der Augmented Reality, also der Überlagerung von realer Umgebung und virtuellen Inhalten, wird die Arbeit an der Rekonstruktion direkt am Objekt in drei Realitätsebenen erst möglich. So wird der tatsächlich existierende Gebäudebestand (erste Ebene) mit dem digital erfassten Gebäudebestand (zweite Ebene) verknüpft, um darauf unmittelbar am Objekt die virtuelle Rekonstruktion aufzubauen (dritte Ebene).

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines digitalen Anwendungswerkzeugs, das es ermöglicht, in einer AR-Umgebung zu untersuchende Objekten zu rekonstruieren. Nach Projektende soll das Werkzeug offen zur Verfügung gestellt werden und von den Nutzer*innen bei Bedarf erweitert weren können.

Das Projekt in der Projektdatenbank der DFG.

SfM-Modell eines Beckens im Frigidarium der Barbarathermen, Trier, als Grundlage zur augmentierten Rekonstruktion
SfM-Modell eines Beckens im Frigidarium der Barbarathermen, Trier, als Grundlage zur augmentierten Rekonstruktion

Der multidimensionale Raum Olympia (Phase 2)

Im Januar 2020 schließlich ging das internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekt „Der multidimensionale Raum Olympia (Phase 2) – landschaftsarchäologische Untersuchungen zu Struktur, Interdependenzen und Wandel räumlicher Vernetzungen 2“ unter der Darmstädter Leitung von Prof. Dr. Franziska Lang, Leiterin des Fachgebiets Klassische Archäologie in die zweite Runde. Ziel des Projektes ist die multimethodische Auswertung der Ergebnisse der geoarchäologisch-historischen Untersuchungen 2015–2019 im Umland des antiken Heiligtums von Olympia.In der ersten Projektphase wurde das Umland von Olympia umfassend im Hinblick auf seine Siedlungsstruktur, Landnutzung und Ökonomie untersucht. Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen werden nun mit den regionalen Narrativen der antiken Textquellen sowie mit den neu gewonnenen Daten der geoarchäologischen Forschungen in Beziehung gesetzt. Bereits in der ersten Projektphase zeichneten sich dabei fundamentale Veränderungen des damaligen Zustands der Umwelt ab. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Archäologie, der Alten Geschichte und der Geoarchäologie werden die komplexen Wechselwirkungen zwischen kulturell-soziopolitischen, ressourcenökonomischen und naturräumlichen Bedingungen systematisch in einem mehrdimensionalen Modell erfasst, in dem sich die Beziehungen des gesamtgriechischen Heiligtums Olympia mit seinem Umland über die Epochen hinweg in all ihren Facetten darstellen lassen. Die Artefakte, die Hinweise auf die Siedlungsaktivitäten um Olympia geben, werden unter Beteiligung von Studierenden der Rhein-Main-Universitäten in mehreren Kampagnen vor Ort aufgearbeitet.

Projektleitung
Prof. Dr. Franziska Lang, Fachgebiet Klassische Archäologie, TU Darmstadt mit Dr. Birgitta Eder, Leiterin Österreichisches Archäologisches Institut Athen
Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Fachgebiet Alte Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Prof. Dr. Andreas Vött, Fachgebiet Naturrisiko-Forschung und Geoarchäologie, Geographisches Institut, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Projektkoordinator und wissenschaftlicher Mitarbeiter

Georg Pantelidis, Fachgebiet Klassische Archäologie, TU Darmstadt

Projektpartner

PD Dr. Reinhard Senff, Grabungsleiter Olympia, Deutsches Archäologisches Institut
Dr. Erophili Kollia, Griechisches Landesdenkmalamt Elis und Olympia

Das Projekt in der Projektdatenbank der DFG.

Olympia: Ziegelfund mit Homerinschrift in einer Nekropole nahe Olympia
Olympia: Ziegelfund mit Homerinschrift in einer Nekropole nahe Olympia

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