Das bedrohte syrische Kulturerbe retten

22.06.2020

Das bedrohte syrische Kulturerbe retten

Dr.-Ing. Ahmad Atieh erhält Stipendium der Gerda-Henkel-Stiftung

„So groß wie die Entfernung zwischen Darmstadt und Deir ez-Zor, so groß ist meine Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende ist und die „Stunde Null“ kommt, und damit der Beginn des Wiederaufbaus.“ (Ahmad Atieh)

Deir ez-Zor ist die Heimatstadt des syrischen Gastwissenschaftlers Dr.-Ing. Ahmad Atieh, der von 2017 bis 2019 am Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung bei Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff in Lehre und Forschung mitgearbeitet hat. Unterstützt wurde er dabei von einem HessenFonds-Stipendium für geflüchtete Wissenschaftler*innen. In dieser Zeit warb er erfolgreich ein Forschungsprojekt der Gerda-Henkel-Stiftung im Förderschwerpunkt Patrimonies ein. Dieser Forschungsschwerpunkt finanziert Projekte, die sich auf die Bewahrung historischen Kulturerbes vorwiegend in Krisenregionen konzentrieren.

Dank der Förderung arbeitet Ahmad Atieh seit März 2020 für zwei Jahre an seinem Projekt „Erhaltung der Kulturgüter von Deir ez-Zor (Syrien)“ nach dem Krieg“. Im Fokus steht dabei insbesondere der überdeckte Basar und das Serail-Gebiet im Zentrum der Stadt. Während des seit 2011 andauernden Bürgerkrieges wurden große Teile Deir ez-Zors zerstört. Darunter auch ihre Baudenkmäler wie der Basar, der 2004 zum nationalen Kulturerbe Syriens erklärt wurde.

Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff, Ministerin Angela Dorn, Dr.-Ing. Ahmad Atieh.
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Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff, Ministerin Angela Dorn, Dr.-Ing. Ahmad Atieh.

Hauptziel des Projektes ist die Erstellung einer Datenbank mit einer systematischen Dokumentation des Basars und des Serail-Gebiets in seinem stadträumlichen Kontext vor und nach der Zerstörung durch den Krieg. Diese soll die städtebaulichen und architektonischen Qualitäten aufzeigen und die Schäden analysieren. Aus den gewonnenen Informationen sollen dann Handlungsempfehlungen für den Wiederaufbau abgeleitet werden. Geplant ist die Entwicklung einer Richtlinie, die sowohl den Erhalt der kulturellen Identität und des Stadtbildes als auch heutige Standards der Stadtentwicklung und Energieeffizienz umfasst.Unterstützt wird Ahmad Atieh von der Wissenschaftlerin Batoul Al Rakkad und Architekt*innen vor Ort. Darüber hinaus ist geplant, Studierende des Fachbereichs im Rahmen von Forschungsmodulen in die Forschungsarbeit einzubinden.

„Es ist mir ein großes Anliegen, mit all meiner gesammelten Erfahrungen als Professor für Architektur in meiner Heimat und Wissenschaftler an der TU Darmstadt zur Rettung des durch den Krieg zerstörten Kulturerbes beizutragen.
Das großartige Stipendium des Förderschwerpunkts Patrimonies ermöglicht eine einzigartige Kooperation der Gerda-Henkel-Stiftung und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt. Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich meist nur auf die historischen Stätten in Aleppo und Palmyra. Unser Forschungsprojekt rückt das bedrohte Kulturerbe der syrischen Welterbestadt Deir ez-Zor ins Licht der Öffentlichkeit.“ (Ahmad Atieh)

Dr.-Ing. Ahmad Atieh

Dr.-Ing. Ahmad Atieh. Foto: Noel Kachouh
Foto: Noel Kachouh

hat als Assistant Professor an der Fakultät für Architektur, Tischrin Universität, Latakia, Syrien gearbeitet. Zuvor leitete er die Abteilung für Architektur der Al Jazeera Privatuniversität, Deir ez-Zor, Syrien. Mit Unterstützung von ena-energieberatung hat er parallel zu seiner Arbeit am Fachgebiet Stadtentwicklung eine Zulassung als Gebäude-Energieberater erworben.

Weiterführende Informationen:

Im Dialog mit den syrischen Gastwissenschaftler Ahmad Atieh – Artikel von 2018

Gerda-Henkel-Stiftung
Ahmad Atieh auf dem Wissenschaftsportal der Stiftung

Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung

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