Erfolg bei Designing Resilience in Asia

20.10.2017

Erfolg bei Designing Resilience in Asia

Bei dem renommierten internationalen Wettbewerb „Designing Resilience in Asia“ konnten sich die Teams der Technischen Universität Darmstadt zum dritten Mal in Folge gegen die Teams aus zehn anderen Universitäten durchsetzen und neben einer Anerkennung den mit 4000 Singapur Dollar dotierten „Urban Design Excellence Award“ gewinnen.

In Zeiten des Klimawandels und damit einhergehenden Naturkatastrophen wie Taifunen, Starkregen, Überflutungen und Erdbeben, ist die Resilienz urbaner Strukturen eines der wichtigsten Themen, mit denen viele Orte im südasiatischen Raum konfrontiert sind. Häufig treffen diese Ereignisse zusammen mit anthropogenen Problemen, wie dem Missmanagement von Infrastruktur, Verschmutzungen, Landabsenkungen oder aber Sicherheitsproblemen auf und können somit die Verwundbarkeit und Anfälligkeit der Städte signifikant erhöhen. Der von der National University of Singapore jährlich ausgelobte Wettbewerb ‚Designing Resilience in Asia’ bietet Studierenden der Architektur und Stadtplanung seit 2015 die Möglichkeit für außergewöhnlich stark betroffene Gebiete in Asien, Lösungen auf einer planerischen Ebene zu entwickeln, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und somit den Folgen des Klimawandels entgegen zu wirken.

Die Teams der TU Darmstadt in Singapur
Die Teams der TU Darmstadt in Singapur

Thematisierte der Studentenwettbewerb 2015 ein chinesisches Fischerdorf, welches jährlich von einer hohen Zahl von Taifunen heimgesucht wird und im darauffolgenden Jahr den Großraum Manila (2016), der durch konsequentes Missmanagement der Wasserinfrastruktur und anthropogenen Fluten leidet, befasste sich der Wettbewerb in diesem Jahr 2017 mit der Hafenstadt Semarang in Indonesien.

Heftige Regenfälle in Kombination mit unzureichender Infrastruktur führen insbesondere während der Monsunzeit im Stadtgebiet Semarangs zu dauerhaften Überflutungen, die extreme Auswirkungen auf das alltägliche Leben der Menschen haben. Neben Transport- und sicherheitsrelevanten Aspekten beeinflussen diese Fluten auch die sichere Trinkwassernutzung und damit die Gesundheit der Bewohner. Darüberhinaus spielen hygienische Aspekte, insbesondere aufgrund einer fehlenden Kanalisation, bzw. Abwasserbehandlung eine Rolle.

Diese Problematik wird durch den steigenden Meeresspiegel, fehlende Infrastruktur, sonstige Verschmutzung, Müll und Industrieabfälle, eine nahezu vollständige Zerstörung der natürlichen Retentionsflächen und eine rücksichtslose Abholzung der vorgelagerten Bergregion zugunsten monokultureller Agrarwirtschaft verstärkt. Zudem verursachte eine systemische und jahrzehntelange Grundwasserüberextraktion der am Stadtrand liegenden Industriezonen, massive Landabsenkungen. Wer über die erforderlichen finanziellen Mittel verfügt, erhöht in regelmäßigen Abständen sein Haus, um sich vor den Fluten und Landabsenkungen zu schützen. Dieses Erhöhen der Erdgeschoßzone bedingt in wiederkehrender Regelmäßigkeit ein Anheben des Straßenniveaus. Häuser, die aufgrund von finanziellen Engpässen nicht erhöht werden, sind in der Folge unbewohnbar.

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge wurde der Entwurf in Gruppenarbeit bearbeitet. Unterstützt wurden diese von den Studierenden des internationalen Master-Studienganges „International Cooperation in Urban Development – Mundus Urbano“ am Fachbereich Architektur.

Der Wettbewerbsbeitrag mit dem Titel „reTRACE “ wurde von der internationalen Jury mit dem „Urban Design Excellence Award 2017“ ausgezeichnet und sicherte der TU Darmstadt einen der drei Hauptpreise in Fortsetzung unserer Preisträger der vergangenen Jahre.

‚reTRACE’ zeichnet sich durch eine tiefgründige Analyse des komplexen Öko-, Fluss- und Wassersystems der Region aus und bezieht neben dem eigentlichen Planungsareal in Semarang, ebenso das gesamte Hinterland mit ein. Ziel des Projektes ist die Steigerung der Lebensqualität durch die Entwicklung Semarangs als integratives, sicheres, nachhaltiges und resilientes Stadtgebiet. Das Konzept folgt einer holistischen Strategie des Wassermanagements, um die Ursachen der Fluten und Überschwemmungen zu bekämpfen und deren Auswirkungen zu reduzieren. Dies beinhaltet neben lokalen Maßnahmen, wie der Entwicklung eines schützenden Mangrovengürtels auch infrastrukturelle Maßnahmen, zu denen ein nachhaltiges Wassermanagement für die Industriezonen gehört, sowie eine Aufforstung der abgeholzten Flächen in den Bergen. Tiefgreifende ökologische, ökonomische und soziale Überlegungen, z.B. die Förderung von Small-Scale Economies und Ökotourismus, aber auch die Finanzierung der größeren Projektbausteine, machen den Entwurf außergewöhnlich in seiner Bearbeitungstiefe. Durch das sensible Einbinden des kulturellen Erbes der ehemaligen niederländischen Kolonialherren, wird der Entwurf um eine identitätsstiftende Maßnahme erweitert, die mit der nötigen Sensibilität auf das heutige Stadtgefüge reagiert.

Mit einer lobenden Erwähnung wurde der zweite Beitrag „SPROUD“ ausgezeichnet. Ein lokaler Grüngürtel, der entwickelt wurde, um die angrenzenden Quartiere als Retentionsfläche systematisch miteinander zu verbinden offeriert den Bewohnern gleichzeitig die Gelegenheit der sportlichen Betätigung, sich zu informieren, als möglichen Treffpunkt und bietet eine Plattform für mikroökonomische small-scale Projekte. Der Grünzug soll folglich nicht ausschließlich ökologischen, sondern insbesondere auch sozialen Zielen dienen, um Kommunikation und Umweltbewusstsein zu stärken und die Einwohner Bandarharjos partizipativ in die Entwicklungsprozesse einzubinden.

Um die Arbeiten in dieser Tiefe anfertigen zu können, wurde im vorausgegangenem Wintersemester ein Workshop angeboten, dessen Inhalte darauf abgestimmt waren, die Studierenden der Architektur auf das Thema vorzubereiten. Wie in den vorausgehenden Jahren wurde der Entwurf von Gastkritikern begleitet, die mit ihren Erfahrungen die Arbeiten beratend begutachteten. So konnten einige Studierende bereits vor Ort mit Frau Henny Vidiarina (GIZ) diskutieren, um deren Perspektive der örtlichen Probleme kennenzulernen. An der TU Darmstadt waren neben Dan Lewis von UN Habitat – City Resilience Profiling Programme, Solveig Buhl und Edgar Firmenich von der KFW Entwicklungsbank bereit, den Entwurf zu unterstützen. Ein herzliches Dankeschön geht wie im vergangenen Jahr an Klaus Meier und Hilde Diekamp vom Fachgebiet für Zeichnen, Malen, Grafik, die beide unsere Studierenden in der finalen Phase, für das Layout und die grafische Darstellung beraten haben. Ein weiteres Dankeschön geht an Bondan Satrio und Mohhammad Zamroni (Mundus Urbano Alumni) für die Unterstützung vor Ort.

Betreut wurde der Entwurf, neben Frau Prof. Dr. Rudolph-Cleff von Dipl.-Ing. Simon Gehrmann, Dr.-Ing. Björn Hekmati und Dipl.-Ing. Frederik Helm.

Team ‚reTRACE’:Mai Quynh Lai, Andrea Hanak, Young Eun Ha, Huyen Trang Dao, Diep Chieu Duong Ngo, Johanna Westermann, Marco Padberg, Van Ly Nghiem, Vanessa JansenSupported by the M.U.- Students:Sergio Dominguez Solorzano, Joao Paulo Cesar de Figueiredo, Bramanty, Syamsudin Nggole, Reza Mahdi Daniswara

Team Sproud:Mathias Wolf, Marlies Richter, Robin Thomae, Fanny Lou Kunschert, Clara Poursedighi, Leonie Nele Lube, Tessa Krämer, Leonie Ott, Marius Wolf, Anna Sofia Jeldres

Text: Simon Gehrmann

zur Liste