Jakob-Wilhelm-Mengler-Preise 2020 verliehen

11.01.2021

Jakob-Wilhelm-Mengler-Preise 2020 verliehen

Drei Preise und zwei Anerkennungen

Im Rahmen ihrer Sitzung im Dezember 2020 hat die Jury des Jakob-Wilhelm-Mengler-Preises die Preisträger*innen bestimmt.

Die Mengler-Stiftung zeichnet jedes Jahr Arbeiten aus, „die sich durch ihre Anwendungsorientiertheit, die Durchgängigkeit der Lösung bis ins letzte Detail und ein eigenes Profil in besonderem Maße auszeichnen.“ Der Jury wurden in diesem Jahr 29 Arbeiten zur Begutachtung vorgelegt. Als externe Jurymitglieder konnte der Fachbereich dieses Mal die Architekt*innen Dipl.-Ing. Renate Fehling (Fehling Architekten, Darmstadt) und Dipl.-Ing. Christian Nasedy, (DBN Architekten, Darmstadt) gewinnen. Der Jury gehörten außerdem die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr.‐Ing. Clemens Brünenberg und Dipl.-Ing. Dana Tamina Pretzsch sowie die Studierenden Christopher Gallinari B.Sc. und Lena Kirchhain B.Sc.an. Die Einführung übernahm Studiendekan Prof. Felix Waechter.

Die Jury vergab drei Preise sowie zwei Anerkennungen.

Die Preise

Leonie Ott für den Entwurf „Gropius Stadt Wohnen“

 – © Leonie Ott

Die Arbeit von Leonie Ott überzeugt durch ihre durchgängig hohe Entwurfsqualität. Diese zeigt sich in der klaren städtebaulichen Setzung sowie in der überaus überzeugend durchgearbeiteten Typologie der Wohnräume.

Die Wohnungen im langgestreckten Baukörper werden in übersichtlich gegliederten Einheiten über verschieden orientierte Laubengange erschlossen. Die Wohnungen selbst erstrecken sich über zwei Geschosse und sind orthogonal zueinander in durchgesteckten Riegeln verzahnt. Diese ambitionierte Form bietet verschiedene Belichtungs- und Raumsituationen. Der Umgang mit Materialwahl, Gemeinschaftsflachen und Begrünungsmöglichkeiten ist sehr reflektiert angelegt, wodurch der gesamte Entwurf einen wichtigen Beitrag zur derzeitigen Debatte nachhaltigen Wohnens in großen Strukturen liefert.

Der Entwurf von Leonie Ott entstand im Wintersemester 2019/20 im Rahmen des Entwurfs „Gropius Stadt Wohnen“ am Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Dipl.-Ing. M. Arch. Felix Waechter.

Carolina Richter, Nadja Rupp und Maren Schroeder für den Entwurf „STADTWILDNIS“

 – © Carolina Richter, Nadja Rupp und Maren Schroeder

Die Gruppenarbeit van Maren Schroeder, Nadja Rupp und Carolina Richter besticht durch ihre tiefe inhaltliche Dichte und Auseinandersetzung mit dem politisch nicht unbedingt einfachen Thema.

Dabei werden mit überzeugenden Argumenten weniger konkrete Maß­nahmen vorgeschlagen, sondern sich klar positionierend mit dem Zusammenspiel von Freiraum und bestehender Bebauung auseinandergesetzt. Die Heterogenität der vier Teilquartiere, die an das Tempelhofer Feld angrenzen, wird nicht negiert, vielmehr ist es Teil des überzeugenden Konzeptes, die Quartiere ausgehend von der bestehenden Nutzungsmischung miteinander zu vernetzen und zu stärken.

Dieses ambitionierte Vorhaben gelingt unter anderem durch die klare gestalterische und grafische Qualität der komplexen Inhalte, wodurch das soziale und politische Grundthema stets mit einer gewissen Leichtigkeit übermittelt wird. Damit bildet die Arbeit van Maren Schroeder, Nadja Rupp und Carolina Richter einen wertvollen Diskussionsbeitrag zur Frage über die mögliche oder gar nötige Bebauung am Tempelhofer Feld.

Der Entwurf „Stadtwildnis“ von Carolina Richter, Nadja Rupp und Maren Schroeder entstand im Sommersemester 2020 im Rahmen des Entwurfs „Gemeinwohlorientierte Stadt – Grenzgänge am Tempelhofer Feld“ am Fachgebiet Entwerfen und Städtebau der TU Darmstadt.

Katharina Sell für den Entwurf „Die Arche des Weines“

 – © Katharina Sell

Ausgehend von einem sehr starken und klaren Bild, der Arche, wächst der Entwurf von Katharina Sell gleichsam gestrandet, aber sehr überzeugend aus dem Hang heraus. Über die Gliederung der herauswachsenden Baukörper aus einem gemeinsamen Sockel wird gleichzeitig ein verbindendes Element geschaffen, sowie die Eigenständigkeit der einzelnen, funktional getrennten Baukörper gewährleistet, wodurch stets die ursprüngliche Entwurfsidee herauszulesen ist. Gekonnt komponierte innenräumliche Bezüge lassen die Besucher*innen Teil des Weinerzeugungsprozesses werden, ohne dass dies aufdringlich oder vordergründig erscheint. Durch die Wahl des Materials und gewisse formale Reduktionen bleibt der Entwurf jederzeit klar lesbar.

Der Entwurf „Die Arche des Weines“ von Katharina Sell entstand im Wintersemester 2019/20 im Rahmen des Entwurfs „WeinGut“ am Fachgebiet Entwerfen und Raumgestaltung, Prof. i.V. Dr. -Ing. Tom Schoper.

Die Anerkennungen

Katja Heilingbrunner für „Blättern unter Blättern“

 – © Katja Heilingbrunner

Der Beitrag von Katja Heilingbrunner überzeugt durch eine selbstverständliche Leichtigkeit und hohe Transparenz. Die Entwurfsidee „Blättern unter Blättern“ wird jederzeit eingelöst, sowohl durch die gekonnte Setzung des durchaus großen Fußabdruckes im Herrngarten als auch durch die konstruktive Durcharbeitung der abgestuften, überaus luftig wirkenden Schalendächer. Der hohe Durcharbeitungsgrad in den leicht ineinander verzahnten Raumen, der fein detaillierten Fassade und des starken Ausdrucks der fast schon zeitlosen Architektursprache macht die Arbeit zu einem eigenständigen Diskussionsbeitrag zeitgenössischer Bibliotheksbauten.

Der Entwurf „Blättern unter Blättern“ von Katja Heilingbrunner entstand im Sommersemester 2020 im Rahmen des Entwurfs „Stadtbibliothek Herrngarten“ am Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Dipl.-Ing. M. Arch. Felix Waechter.

Jasmin Moor für den Entwurf „Max und Moritz“

 – © Jasmin Moor

Der Beitrag von Jasmin Moor besticht durch die Setzung der beiden Baukörper und deren leichte, aber deutlich spürbare Varianz. Die beiden Hochpunkte, „Max und Moritz“ benannt, bilden in dem ehemaligen Grenzgebiet identitätsbildende Fixpunkte.

Sowohl durch die Drehung beider Baukörper als auch durch großzügige Fassadenöffnungsmöglichkeiten gelingt es, die unterschiedlichen Grundrisstypen bis in ihre intime Tiefe natürlich zu belichten, wodurch eine hohe Raumqualität geschaffen wird. Abgestimmt wird dies mit einer feinsinnigen Wahl der Materialien und der hohen Variationsmöglichkeiten der Wohnungstypen über diverse Konfigurationen. Dadurch bietet Jasmin Moor einen wichtigen Beitrag zur Diskussion zukunftsfähiger Wohnhochhäuser an.

Der Entwurf „Max und Moritz“ von Jasmin Moor entstand im Wintersemester 2019/20 im Rahmen des Entwurfs „Gropius Stadt Wohnen“ am Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Dipl.-Ing. M. Arch. Felix Waechter.

Weitere Informationen:
Der Jakob-Wilhelm-Mengler-Preis

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