Architectural calling cards

Botschaften der Alliierten für das geteilte Deutschland und dessen Antworten

31.05.2021

Am 4. Juni hält Christiane Fülscher einen Vortrag auf der internationalen Tagung „Architecture and Democratization in Postwar Germany“ an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg über den Einfluss der Neubauten von Botschaften und Generalkonsulate, die von den Alliierten ab 1949 in der Bundesrepublik und der DDR errichtetet worden waren, auf die architektonische Selbstdarstellung beider deutscher Teilstaaten im Ausland.

Unmittelbar nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik 1949 begannen in Ost-Berlin die Bauarbeiten für den Neubau der Sowjetischen Botschaft unweit des Brandenburger Tors an der Allee Unter den Linden. Wenig später errichteten Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Botschaftsneubauten in der vorläufigen Bundeshauptstadt Bonn beziehungsweise im angrenzenden Mehlem, hinzu kamen Generalkonsulate in den Hauptstädten der westlichen Bundesländer. Auch wenn diese Neubauten in erster Linie als Plattformen der Diplomatie dienten und die staatliche Anerkennung des jeweiligen deutschen Teilstaates durch die jeweilige Besatzungsmacht demonstrierten, nutzten die vier Mächte die haptisch wahrnehmbaren Repräsentanzen als gezieltes Instrument ihrer Außenpolitik und transferierten über die Architektur ihre jeweiliges gesellschaftliches und staatliches Selbstverständnis. Als architektonische Visitenkarten informierten die Auslandsvertretungen die Öffentlichkeit über den Stand der Baukunst in den Heimatländern. Überdies legten die Neubauten der diplomatischen und konsularischen Vertretungen im Osten wie im Westen nicht nur den Maßstab für den Aufbau des kriegszerstörten Nachkriegsdeutschlands fest, sondern gaben zudem die architektonische Richtschnur für die deutsch-deutsche Selbstdarstellung im Ausland bis ins Detail vor. Angesichts ihrer politischen Symbolkraft potenzierte sich in der Bauaufgabe Botschaft die ohnehin hohe Relevanz, die Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik und der DDR für den jeweiligen Aufbau von Staat und Gesellschaft erlangte, inklusive des über Architektur ausgetragenen Wettkampfes der gesellschaftlichen Systeme. Entsprechend kam die Anlehnung an die Architektursprache der alliierten Botschaften bei den eigenen Auslandsvertretungen einem politischen Bekenntnis gleich, während diese gleichzeitig die Nichtanerkennungspolitik der Bundesrepublik gegenüber der DDR und deren internationale Isolation architektonisch manifestierten.

Der Vortrag findet am 4. Juni 2021 um 18:30 PM – 19:00 PM MEST (12:30 – 13:00 EST / 9:30 – 10:00 PST) statt. Zu der Veranstaltung können Sie sich per Mail anmelden.

Weitere Informationen zur Tagung vom 3.–5. Juni 2021 finden Sie auf der Website der Universität Bamberg.