EIN QUANTUM MEER – Meeresforschungszentrum Stralsund
Masterthesis Wintersemester 2025/26

Hrsg. vom Fachgebiet Entwerfen und Gebäudetypologie (Prof.’in Elke Reichel)

Im Rahmen der Masterthesis entwickelten die Studierenden Pläne für ein Forschungslabor direkt an der Ostsee in Stralsund. Die Räume sollen die spezifischen Abläufe der Forschungsaktivitäten unterstützen und fördern. Sie sind aber auch der Ort, an dem sich die Forscherinnen und Forscher während ihrer engagierten Arbeit dauerhaft aufhalten.

Der Aufgabenstellung liegt der reale Bedarf zugrunde, den Standort Stralsund und seine Verbindungen zu anderen Forschungsstätten zu erweitern.

In direkter Nähe des Grundstücks zum Meer und zu der historischen Altstadt von Stralsund stellt sich die Frage nach einer angemessenen Lösung, die sich einerseits mit der Bedeutung des Ortes und des Umfelds auseinandersetzt, andererseits aber auch seiner gesellschaftlichen Bedeutung gerecht wird.

Der Entwurf soll einen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über den Stellenwert von Forschung und das Vertrauen in die Wissenschaft leisten sowie die Bedeutung des Meeres im Kontext des Klimawandels betonen.

Das neue Quartier ist für die Forschung zum Thema Kleinwale konzipiert. Der vorliegende Entwurf erweitert dieses Programm und schafft zusätzlich Raum für die Seegrasforschung.

Um dieses weithin unbekannte Biotop der Öffentlichkeit näherzubringen und die Bedeutung des Seegrases für die Meere aufzuzeigen, zieht sich ein Seegrasweg als „grüner Faden“ durch den gesamten Entwurf und verbindet sich mit der Kleinwalforschung zu einem komplexen Meeresforschungsquartier.

Das Stadtbild von Stralsund ist in der Regel durch zahlreiche Hochpunkte geprägt. Das neue Quartier fügt diesem Bild weitere Hochpunkte hinzu: das Hauptgebäude, sichtbar vom Hafen aus, die Bibliothek auf der Stadtseite sowie – als zentraler Hochpunkt des Ensembles – die „Fabrik“, die den Mittelpunkt markiert und dem Stadtbild ein neues Merkzeichen hinzufügt.

Für das Forschungsquartier werden die eindrucksvollen Backsteingebäude „Silo 4“ und „Silo 5“ sowie weitere Bestandsgebäude erhalten, umgenutzt und durch verschiedene Neubauten zu einem neuen städtebaulichen Ensemble ergänzt.

Durchzogen wird das Quartier von einem Seegras-Wasserlauf, der von der Hafenpromenade zum Kanal führt und als durchgängiges Element alle Stationen mit öffentlicher Nutzung verbindet. Das sonst unsichtbare Seegras wird so sichtbar gemacht und seine Relevanz verdeutlicht. Der Wasserlauf bildet mit seinen beidseitigen Fußwegen und mehreren kleinen Brücken die öffentliche Achse durch das Quartier.

Für das Forschungsquartier werden die eindrucksvollen Backsteingebäude „Silo 4“ und „Silo 5“ und weitere Bestandsgebäude erhalten, umgenutzt und durch verschiedene Neubauten zu einem neuen städtebaulichen Ensemble ergänzt. Durchzogen wird das Quartier von einem Seegras-Wasserlauf, der von der Hafenpromenade zum Kanal führt und als durchlaufendes Element alle Stationen mit öffentlicher Nutzung verbindet. Das sonst unsichtbare Seegras wird sichtbar gemacht und zeigt so seine Relevanz auf. Der Wasserlauf bildet mit seinen beidseitigen Fußwegen und mehreren kleinen Brücken die öffentliche Achse durchs Quartier.

Der Entwurf schließt die stadträumliche Bruchstelle im Quartier 65 in Stralsund und ergänzt das bestehende Blockgefüge durch eine klare Setzung. Höhe, Bauflucht und Volumetrie orientieren sich an der Umgebung und definieren eine präzise räumliche Kante zwischen Hafen und Altstadt.

Das Gebäude besteht aus zwei diagonal angeordneten Baukörpern und einem zylindrischen Kern. Die Anordnung folgt einer funktionalen Differenzierung. Der zum Wasser orientierte Baukörper nimmt die öffentlichen Nutzungen wie Ausstellung und Vermittlung auf und reagiert auf die Offenheit zum Hafen. Der innenliegende Baukörper beherbergt Forschungs- und Büroräume in geschützter Atmosphäre. So entsteht eine eindeutige Zonierung bei gleichzeitiger räumlicher Verbindung.

Silo IV wird als öffentlich zugänglicher Sammlungsraum aktiviert und in die Besucherführung integriert. Silo V dient als technische Infrastruktur und nicht öffentliche Sammlung der Forschung. Neubau und Bestand werden über den zentralen Raum strukturell verknüpft.

Der zylindrische Saal bildet das räumliche Zentrum. Er fungiert als Foyer und vertikaler Verteiler. Eine umlaufende Rampe organisiert die Bewegung durch das Gebäude und verbindet die Ebenen von Öffentlichkeit und Forschung.

Zwischen den diagonalen Volumen entsteht ein überdachter Innenhof als zentraler Eingangs- und Begegnungsraum. Er vermittelt zwischen Stadt und Gebäudeinnerem und stärkt die öffentliche Adresse des Forschungszentrums.

Vom Kornspeicher zum Meeresforschungszentrum
Transformation durch Weiterbauen: Meeresforschungszentrum Stralsund

Die historischen Speicher am nördlichen Hafenrand Stralsunds sind Teil des architektonischen Erbes der Hansestadt und zugleich eine wertvolle bauliche Ressource an gebundener grauer Energie. Das Projekt versteht diesen Bestand konsequent als Fundament: Nicht die Tabula rasa, sondern das gezielte „Weiterbauen" bestimmt die Entwurfshaltung. Der Neubau ergänzt als kompakter Riegel den bestehenden Speicher IV und entwickelt gemeinsam mit den historischen Gebäuden eine U-förmige Struktur mit geschütztem Werkhof im Zentrum.

Das zentrale Leitmotiv ist die Forschungspromenade, die den Campus zur Stadt öffnet und gezielte Einblicke in Werkstätten und Labore ermöglicht. Wissenschaftliche Arbeit wird so unmittelbar am Hafenrand sichtbar. Die nördliche Bebauung wird schrittweise zu einem öffentlichen Teil des Campus entwickelt – mit Gastronomie und flexiblem Wohnraum für Forschende sowie einem historischen Speicher als Kultur- und Museumsort in funktionaler Anbindung an das Ozeaneum.

Im Neubau orientieren sich Foyer, Ausstellung, Auditorium und Bibliothek zur Hafenpromenade und bilden die öffentliche Adresse des Zentrums. Der Ziegelbelag der Promenade setzt sich schwellenlos ins Innere fort. Eine rot eingefärbte, skulpturale Sichtbetontreppe erschließt die Ebenen und bildet das räumliche Zentrum des Foyers. Den funktionalen Gegenpol bildet der wissenschaftliche Kern mit Präparationsbereichen im Erdgeschoss, Laboren im ersten und Büros im zweiten Obergeschoss – alle zum geschützten Werkhof orientiert.

Vom Hafen zur Erkenntnis

Ziel des Entwurfs war es, ein Gebäude zu schaffen, das Forschung und Öffentlichkeit räumlich und programmatisch miteinander verbindet. Das Grundstück liegt auf einem ehemaligen Parkplatz zwischen zwei stadtbildprägenden Speichergebäuden und wird durch Hafen, Promenade und Kanal gefasst. Das architektonische Konzept wertet den Ort durch die Zusammenführung von Meeresforschung und öffentlichen Nutzungen auf und integriert sensibel den historischen Bestand.

Das Hauptgebäude an der Hafenseite schließt die Promenade, ohne dominant zu wirken, und beherbergt neben den Büroräumen der Forschenden ein öffentliches Foyer, eine Fachbibliothek, Veranstaltungsräume sowie eine über mehrere Geschosse reichende Trockensammlung. Die Erschließung erfolgt über seitliche Treppen- und Aufzugskerne. Die Nordfassade ist zum Schutz der Sammlung weitgehend geschlossen, während die Belichtung über Oberlichter erfolgt. Die Südfassade öffnet sich großzügig und wird durch eine zweite Hülle als energetische Pufferzone ergänzt.

Konstruktiv ist das Gebäude als Hybridbau aus Holz- und Lehmbauweise mit aussteifenden Betonkernen konzipiert.

Die Lehmwände dienen als thermische Speichermasse und regulieren das Raumklima. Ein südlich angeordneter Riegelbau nimmt die funktionalen Forschungsbereiche auf und trennt diese vom öffentlichen Innenhof. Ein Portalkran erschließt alle Ebenen. Der Innenhof verbindet Hafen- und Kanalseite und schafft einen öffentlichen Ort, der den Dialog zwischen Gesellschaft und Meeresforschung fördert.

Der Entwurf befasst sich mit der Neubebauung des Quartiers 65 direkt am Stralsunder Hafen. Die von zahlreichen Solitärbauten und roten Backsteinspeichern geprägte Hafenlandschaft stellt ein beliebtes Postkartenmotiv der Stadt dar. Der Bestandsblock des Entwurfsgebiets wird derzeit lediglich als Besucherparkplatz genutzt.

Das neue Forschungszentrum ist sowohl von der Stadt als auch von der Hafenpromenade zugänglich und fördert so die Durchwegung des Areals. Der Baukörper verbindet Altstadt und Hafen und bildet einen Hof, der zur Teilnahme an der Forschung einlädt.

Das Gebäude gliedert sich in drei Bereiche: Ein Gebäudekopf dient der Sammlung von Exponaten, das Zentrum beherbergt Forschungs- und Präparationsräume, und der zum Hafen orientierte Kopf bietet öffentliche Nutzungen wie Veranstaltungssaal, Ausstellungen und Bibliothek. Diese klare Struktur ermöglicht störungsfreie Abläufe innerhalb des Riegels.

Im Erdgeschoss befinden sich Café, Foyer sowie Werkstatt- und Anlieferungsbereiche. Besucher:innen werden durch die zurückgesetzte Fassade und eine markante Pflasterung zum Eingang geführt. Eine prägnante Wendeltreppe erschließt die öffentlich zugänglichen Etagen und bietet Ausblicke auf Hafen und Meer.

Die Fassade ist für optimale Lichtverhältnisse als filigrane Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgebildet, während in den Sammlungsbereichen bewusst auf Fenster verzichtet wird. Eine zweite, textile Hülle schützt vor Küstenwinden, Sonneneinstrahlung und dient als Sichtschutz. Sie greift das Gebäuderaster auf und verleiht dem Bau eine prägnante, einheitliche Erscheinung mit hohem Wiedererkennungswert.

Unabhängige Forschung ist ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Um sowohl die Forschung als auch die Gesellschaft zu stärken, wurde in diesem Entwurf das vorgegebene Raumprogramm um eine Wohnnutzung erweitert, wodurch eine kohärente Synergie zwischen dem Bestand und dem Neubau entsteht: ein Ort für Bildung, Entwicklung und Austausch.

Städtebaulich wird der Neubau zwischen den beiden größten Bestandsbauten Silo 4 und Silo 5 als klares strukturierendes und verbindendes Element positioniert. Der Solitärkörper rückt bewusst von den Bestandsstrukturen ab, um diesen Raum zu geben und eine ergänzende Silhouette entlang der Promenade zu erzeugen. Die Durchwegung des Neubaus symbolisiert die notwendige Transparenz der Forschung am neuen Institut.

Sowohl auf der Promenadenseite als auch auf der Kanalseite werden klar definierte Bereiche für Besucher:innen und Forschende ausgebildet. Das Areal wird in zwei Erschließungszonen gegliedert: nördlich des Neubaus befindet sich der Bereich für Forschende mit Werkstatt und Hauptzugang zum Forschungsbereich; südlich verläuft die Besucher:innenerschließung, die zum Innenhof führt – einem offenen Raum für Veranstaltungen in Verbindung mit Freiluftausstellungen sowie einer ruhigeren Aufenthaltszone.

Silo 4 (Slide 3, links) beherbergt die Sammlung sowie Nebenräume und Arbeitsbereiche.

Silo 5 (Slide 4, rechts), im Norden gelegen, umfasst das Konferenzzentrum, das „House of Exchange“ im Erdgeschoss sowie Wohnnutzungen für kurz-, mittel- und langfristige Aufenthalte in den oberen Geschossen, ergänzt durch Gemeinschafts- und Arbeitsbereiche.

Im Zentrum verbindet der Neubau alle Funktionen: öffentliche Nutzungen im vorderen Bereich (Slide 2) sowie funktionale Forschungsräume (Slide 1) in den beiden oberen Geschossen.

CUBOX6

Das neue Meeresforschungszentrum CUBOX6 gliedert sich in drei Bereiche: einen öffentlichen Bereich zur Wissensvermittlung, einen Forschungsbereich mit Laboren sowie einen Sammlungsbereich. Städtebaulich fügt sich das neue Volumen zwischen die historischen Speicherbauten ein. Es schließt die bestehende Baulücke vollständig, bleibt jedoch unterhalb der Traufhöhe der Bestandsgebäude und zeigt so Respekt gegenüber dem Bestand.

Der Lückenschluss zur Stadt wird durch ein ergänzendes Volumen gefasst, das temporäre Apartments für Forschende aufnimmt. Der Speicherturm setzt einen neuen Hochpunkt, schafft eine prägnante Adresse und ist trotz seiner Lage in zweiter Reihe deutlich präsent.

Das Gebäude besteht aus sechs gleich großen Würfeln mit einer Kantenlänge von 16 m, organisiert in einem 4-Meter-Raster. Zwei Würfel orientieren sich zum Wasser und bilden den öffentlichen Bereich. Ein verbindendes Element, der Forschungsbereich sowie drei übereinandergestapelte Würfel formen gemeinsam den „Wissensturm“ mit der Sammlung.

Der Entwurf beschäftigt sich mit der Frage, wie Meeresforschung sichtbarer gemacht und stärker mit der Gesellschaft verknüpft werden kann. Ausgangspunkt ist die Hafeninsel in Stralsund, ein Ort zwischen Altstadt und Meer, geprägt von historischen Schichten und bestehenden Strukturen. Anstelle eines isolierten Neubaus wird das Quartier als zusammenhängendes System weiterentwickelt, in dem Bestand und neue Eingriffe miteinander verzahnt sind.

Zentrales Element ist eine räumliche und funktionale „Achse“, die alle Institute miteinander verbindet und gleichzeitig die Besucherführung organisiert. Entlang dieser Achse entfaltet sich eine Abfolge unterschiedlicher Räume – von Ausstellungräumen und Besucherlaboren bis hin zu Bereichen des Austauschs zwischen den Instituten. Die Forschungsgebäude selbst folgen einer klaren Struktur aus einem kompakten Betonkern und flexibel nutzbaren Stahlskelettflächen, wodurch spätere Anpassungen an sich verändernde Anforderungen möglich werden. Der Besucherweg beginnt bereits in der Altstadt über einen Stadtpavillon als Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Forschung.

Über eine inszenierte räumliche Sequenz werden Einblicke in wissenschaftliche Prozesse ermöglicht und zugleich die ökologischen Herausforderungen der Meere emotional erfahrbar gemacht. Themen wie nachhaltige Kreislaufsysteme oder marine Lebensräume werden dabei räumlich übersetzt und mit der realen Forschung verknüpft. Ergänzend werden bestehende Gebäude umgenutzt und integriert, wodurch ein vielschichtiges Ensemble aus Forschung, Wohnen, Öffentlichkeit und Infrastruktur entsteht. Der Entwurf versteht Architektur als vermittelnde Instanz, die Wissenschaft zugänglich macht und Verantwortung räumlich sichtbar werden lässt.

Der Entwurf versteht sich nicht nur als Forschungsstandort, sondern als räumliche Vermittlungsstruktur zwischen Wissenschaft, Stadt und Meer. Der Schutz der Meere beginnt nämlich nicht auf dem offenen Wasser, sondern bereits hier – in der Art, wie gebaut, geforscht und Verantwortung architektonisch verankert wird.

Das Gebäude gliedert sich durch seine heterogenen Baukörper in den heterogenen Block ein.

Die beidseitige Erschließung ermöglicht einen ungestörten Arbeitsalltag sowie einen angemessenen Auftritt zur prominenten und für Stralsund repräsentativen Meerpromenade.

Die Forschenden betreten mit ihren Funden aus Exkursionen, vom Bootsanleger am Kanal kommend, den flacheren Forschungskörper. Die Funde können in einer Abfolge von Räumen gewaschen, gekühlt oder in Aquarien aufgenommen werden oder im 1. Obergeschoss weiter untersucht und präpariert werden, um anschließend im angeschlossenen Bestandssilo eingelagert zu werden.

Die Öffentlichkeit betritt den gläsernen Kopfbau von der Promenadenseite. Der öffentliche Kopf zeichnet sich durch offene und flexible Grundrisse aus und bildet damit ein Gegenüber zum monofunktionalen und geschlossenen Silo.

Das Silo wird entsprechend seiner ursprünglichen Nutzung für die Sammlung der Forschung verwendet. Ab dem 1. Obergeschoss bieten die hohen Räume Platz für kleine bis große Exponate. Die nichttragenden Wände werden zurückgebaut; die erhaltenen Strukturen der Silos steifen das Gebäude aus und bewahren den Charakter der Räume.

Der abgerückte Pavillon im Hof dient als Erweiterung der Werkstätten. Hier finden geräuschintensive und grobe Arbeiten statt. Auch Mitmachangebote sind hier verortet, sodass der Hof öffentlich belebt und aktiviert wird.

Das Meeresforschungszentrum nutzt die ostseetypischen Gegebenheiten. Die Aquarien werden mit Frischwasser aus dem Kanal versorgt.

Ein überhöhter Schichtspeicher speichert Abwärme der Gebäudetechnik und reguliert das Gebäudeklima. Im Sommer kann das Gebäude über einen Außenluftkühler mithilfe der Ostseewinde gekühlt werden.

Es wird zwischen beheizten und unbeheizten Zonen unterschieden, um dem hohen Energieaufwand der Forschung entgegenzuwirken.

„Die Meere sind die Lunge des Planeten“ – von diesem Gedanken ausgehend beschäftigt sich der Entwurf mit einem Küstenraum, in dem die Folgen ökologischer Veränderungen bereits heute deutlich sichtbar werden. Erwärmung, Versauerung und die übermäßige Anreicherung mit Nährstoffen verändern marine Ökosysteme tiefgreifend. Besonders in Stralsund, einem der sensibelsten Küstenräume Europas, treten diese Prozesse klar zutage.

Der Entwurf reagiert darauf mit einem Forschungsinstitut, das Mikro- und Makroalgen, Sedimente und Kohlenstoffkreisläufe erforscht. Dabei versteht sich die Architektur nicht nur als Hülle für Forschung, sondern als aktiver Teil des Systems selbst.

Die zentrale Idee: Forschung findet nicht in statischen Räumen statt, sondern in biologischen, technischen und energetischen Prozessen. Daraus entsteht das Leitbild eines Forschungsinstituts als lebender Organismus, dessen Gebäude wie Organe Funktionen übernehmen, die im Meer von Algen und Mikroorganismen erfüllt werden.

Das Grundstück wird als Archipel betrachtet. Neue Baukörper verankern sich im Bestand, docken parasitär an oder wachsen aus ihm heraus. So entsteht ein räumlicher Gradient von der Stadt zum Meer. Verbunden werden die Elemente durch technische Fugen, die Erschließung, Tragstruktur und Medienführung bündeln.

Das Institut gliedert sich in drei Bausteine: den Filter, den Vermittler und den Speicher. Gemeinsam bilden sie eine räumliche Prozesskette, in der Stoff-, Energie- und Wissensflüsse organisiert und sichtbar gemacht werden.

Architektur wird so nicht zur neutralen Hülle, sondern zum aktiven Träger, Vermittler und Mitgestalter ökologischer Forschung.

Ausgezeichnet mit dem Fachbereichspreis für die beste Masterthesis.

Das Konzept für das neue Forschungszentrum für Meeresbiologie in Stralsund basiert auf einer Campusstruktur, die Besucher:innen einen Einblick in die Forschung ermöglicht. Das Areal auf der Hafeninsel ist dafür in verschiedene Bereiche gegliedert, die sowohl einen reibungslosen Ablauf der Forschungstätigkeiten sicherstellen als auch eine Schnittstelle zwischen Forschung und Öffentlichkeit ermöglichen.

Die insgesamt vier Gebäudeteile übernehmen verschiedene Funktionen. Die Erschließung für Mitarbeitende erfolgt von der Kanalseite aus. Hier befindet sich das Werkstattgebäude mit Lagerräumen und Anlieferung. Forschungsutensilien können hier auf kurzem Weg vom Anleger in die multifunktionale Werk- und Lagerhalle gebracht werden. Der zentral gelegene Werkhof verbindet die Werkhalle mit den umliegenden Forschungsräumen ebenerdig. Die an den Werkhof anschließende Sockelzone enthält alle weiteren für die Forschung relevanten Räume, wie Aquarienraum, Arbeitsbereiche, Labore, Kühlkammern etc. Mitarbeiterbüros befinden sich direkt über dem Aquarienbereich, um ein schnelles Eingreifen und kurze Wege sicherzustellen.

Die Erschließung für den Besucherverkehr erfolgt von der Hafenpromenade aus. Eine breite Treppe mit Sitzstufen dient als Auftakt der Besucherterrasse, die einen Blick in den Werkhof ermöglicht. Von hier aus wird das Hauptgebäude erschlossen, welches Sammlung, Auditorium, Bibliothek, Kursräume und Mitmachwerkstatt beherbergt. Ein zentraler Lastenaufzug verbindet den Forschungsbereich mit der Sammlung. Hier trifft Forschung auf Öffentlichkeit.