Archiv abgeschlossener Lehrveranstaltungen

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht aller Lehrveranstaltungen des Fachgebiets Architekturtheorie und -wissenschaft aus den vergangenen Semestern.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020

Bachelor:

Licht, Luft, Sonne. Moderne Architektur war aus (und für) moderne Materialien gemacht: Architektur versprach Leichtigkeit, Beton-Fertigteile Effizienz, und Glas Transparenz. Doch diese Visionen eines neuen modernen Lebens waren Teil eines größeren Wirtschafts- und Lebenszyklus'—sie wurden abgebaut, produziert, und verkauft. Die westliche Moderne in der Architektur war ein spezielles ästhetisches Konstrukt gesellschaftlicher Werte, und wir werden seine Materialien verfolgen, um die andere Seite dieser hygienischen, sauberen und minimalistischen Vision zu finden: die ökologischen, sozialen und politischen Kosten, die moderne Architektur verursachte. Wir werden uns toxische Bauxit-Schürfung oder die Kohlendioxid-Belastung durch Beton ansehen. Aber wir werden auch untersuchen wen diese neue Architektur einließ, und wer draußen blieb, außerhalb der freien Wände und horizontalen Bandfenstern: wer wurde ausgebeutet um diese Moderne zu schaffen, wessen Komfort wurde durch die Isolierverglasung optimiert? Was für ein Klima wurde produziert, und für wen? Welches „Außen“, welches „Andere“ stellte eine Bedrohung für den neuen, modernen Menschen da—und wie erzeugte moderne Architektur diese Trennung?

Bachelorseminar

Anna-Maria Meister

Montag, 15:30–17:00

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Montag, 27.4.2020, 15:30 Uhr, per Zoom

Den Begriff „Choreografie“ kennen wir vor allem aus dem Bereich des Tanzes. Dort bezeichnet er die Organisation sich bewegender Körper im Raum sowie die schriftliche Notation zeit-räumlicher Bewegungsmuster. In diesem Seminar wollen wir Choreografie mit Architektur zusammendenken. Die Grundannahme ist, dass jedes Architekturkonzept, jeder Entwurf, Konstellationen und Bewegungen von Körpern im Raum antizipiert und determiniert, von alltäglichen Handlungsabläufen (Alltagschoreografie) bis zu übergreifenden Zirkulations- oder Leitsystemen. Diese choreografischen Aspekte von Architektur werden wir mit Hilfe von Theorien und Konzepten aus der Architektur- und Tanzwissenschaft und am Beispiel konkreter Beispiele identifizieren, analysieren und in ihrer Setzungsmacht kritisch hinterfragen.

Das Seminar findet in Deutscher Sprache statt. Deutsche und englische Lesekenntnisse sind erforderlich.

Bachelorseminar

Lisa Beißwanger

Montag, 10:00–13:00, 14-tägig

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Montag, 27.4.2020, 10:00 Uhr, per Zoom

Von den drei primären Körperfunktionen – Essen, Koten und Ausruhen – wurde das Schlafen als Teil des städtischen öffentlichen Raums am wenigsten betrachtet. Wir haben kein Recht, im öffentlichen Raum zu schlafen. Angetrieben von Armut oder verzweifelter Erschöpfung, Menschen, die auf der Straße schlafen, scheinen unangebracht, unbeholfen und gefährdet. Die bürgerliche Darstellung des Schlafens wird selten durch einen dafür vorgesehenen Ort gefördert – wenn überhaupt, sind städtische Möblierungen und Infrastrukturen so konzipiert, dass dies verhindert wird.

Was also, wenn wir anders über öffentliches Schlafen nachdenken? Kann das öffentliche Schlafen ein anderes Verständnis unserer Städte provozieren? Dieses Seminar betrachtet den Schlaf als Grundrecht. Mit dem Thema Schlaf in der Stadt werden wir die Vergangenheit aufgreifen sowie uns zukünftige Städte vorstellen. Denn Schlafen erweitert die Möglichkeiten, die kommenden Städte zu bewohnen.

Bachelorseminar

Jocelyn Froimovich

Veranstaltungstermine werden in der Einführungsveranstaltung festgelegt

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Montag, 4.5.2020, 10:00–11:30 Uhr, per Zoom

Master:

Seit frühester Zeit prägen Geometrie und Arithmetik übersetzt in Proportion und Symmetrie das Erscheinungsbild von Kunst und Architektur.

Hieraus entwickelten sich zahlreiche ästhetische Regelwerke, mit den man versuchte ‚objektive Schönheit’ plan- und reproduzierbar zu machen. Ab der Mitte des 19. Jhs. setzte ein Boom untereinander konkurrierender Proportionslehren ein, die das architektonische Schaffen bis weit in 20. Jh. hinein beeinflussten. Erst mit den Möglichkeiten digitalen Entwerfens und Planens scheint diese Entwicklung zur Ruhe gekommen zu sein. An ausgewählten Beispielen wie der Entwurfstheorie J. L. M. Lauweriks, Ernst Neuferts Bauordnungslehre, Le Cobusiers Modulor, der Koinzidenztheorie und Überlegungen zur numerischen Ästhetik, werden die einzelnen Theorien in ihrem jeweiligen geistesgeschichtlichen Kontext untersucht und analysiert.

Das Seminar wird als Blockveranstaltung durchgeführt.

Masterseminar

Helge Svenshon

Montag, 17:00–18:30

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Montag, 04.05.2020, 17:00 Uhr, per Zoom

Um 1900 regte sich vor allem unter den jüngeren Architekten Widerstand gegen die etablierten Würdeformen des Historismus und den floralen Jugendstil. Sie kritisierten, dass die Bauwerke, die nun zahlreich die Straßenfluchten der rapide gewachsenen Städte säumten, mit ihren dekorativen Fassaden und dem historistischen Formenrepertoire nicht mehr im Einklang mit den strukturellen Prinzipien der dahinterliegenden Konstruktionen und Raumanordnungen stünden. Vielmehr suchten sie nach neuen architektonischen Ausdrucksformen, die die gesellschaftlichen Veränderungen sowie die industriellen und technischen Errungenschaften der Zeit widerspiegeln sollten. Wir werden uns im Seminar mit Texten und Bauwerken beschäftigen, in denen sich diese Suche nach einem bisher nie dagewesenen Stil zeigt. Zudem wollen wir verstehen, was die Architekten antrieb, welche Grundlagen sie wählten, was sie neu einführten und wie sie das alles in Architektur überführten.

Masterseminar

Christiane Fülscher

Dienstag, 9:30–11:00, wöchentlich

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Dienstag, 28.4.2020, 9:30 Uhr, per Zoom

Kaum ein Bauwerk im modernen Bauwesen kommt ohne Beton aus; und kaum ein Baumaterial polarisiert so sehr: Die Wahrnehmung schwankt zwischen Abscheu und Verherrlichung. Der Diskurs konzentriert sich dabei häufig auf ästhetische oder technische Gesichtspunkte. Doch der Bedeutung eines Materials liegen niemals allein seine physikalischen Eigenschaften zugrunde. Daher untersucht dieses Seminar den Baustoff Beton in seinen kulturellen, ideologischen, ökonomischen und organisatorischen Logiken anhand einzelner historischer wie gegenwärtiger Fallbeispiele. Dabei werden nicht allein die Qualitäten des fertigen Betons bewertet, sondern die Gesamtheit des Materialflusses von Herstellung und Transport zu Konstruktion, Nutzung und Entsorgung untersucht und so eine kritische Analyse der Produktion von Architektur ermöglicht. Die erforderlichen Texte und Medien sind in englischer und deutscher Sprache verfasst.

Masterseminar

Anna Luise Schubert

Dienstag, 16:00–19:00, 14-tägig

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden

Einführungsveranstaltung am Dienstag, 28.4.2020, 16:00 Uhr, per Zoom

The architect’s field of expertise has changed fundamentally over the second half of the 20th century as new technologies such as the Xerox machine (1959), the fax machine (1960s), the personal computer (the Apple II came out in 1977) and the Internet (1990) became available to the general public. While new skills have become a vital part of the architect’s daily routine today others were lost. This seminar takes a look at some of the changes that have resulted from the advent of the computer in architecture.

The seminar coincides with the exhibition “The Architecture Machine. The Role of Computers in Architecture” at the Architekturmuseum der TUM, in Munich (July 16 – October 25, 2020). The main question that this seminar and the exhibition will address is simple: Have the new digital tools changed architecture and if so, how? With the help of a reading list of key texts by protagonists of the digital movement we will retrace a variety of aspects connected to digital architectural forms including folds, blobs, parametric design and artificial intelligence. Selected case studies will examine the influence that software has had on the design of architecture. The seminar includes a field trip to the exhibition.

Bachelorseminar

Teresa Fankhänel, Architekturmuseum der TUM

Montag, 9:00–12:00 (25.5., 8.6., 22.6., 6.7.)

Das Seminar wird auf Zoom und Moodle stattfinden (4 Sitzungen plus Aufgaben)

Einführungsveranstaltung am Montag, 11.5.2020, 9:00–10:30 Uhr, per Zoom

Sparrow (麻雀) / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Die Vorlesung ist Teil des Fachmoduls A (Fachgruppe Historische Grundlagen).

Im Mittelpunkt der Vortragsreihe stehen Räume, die aus sehr unterschiedlichen kulturellen, religiösen aber auch politischen Praktiken für Feste gebaut oder für den jeweiligen Anlass temporär errichtet werden. So beschäftigen wir uns einerseits mit Festgebäuden und den darin stattfindenden Feierlichkeiten, also z.B. Festsälen, Kirchen, Kulturhäusern, Festivalhallen bis hin zu Clubs. Andererseits setzen wir uns mit ephemeren Räumen auseinander, die zumeist für kurze Zeit durch Farbe, Licht, Feuerwerk, Musik sowie die agierenden Menschen in Szene gesetzt werden und häufig nur als inszeniertes Bild überliefert sind, sei es als Instagram-Selfie oder Kupferstich. Das Themenfeld der Vorträge erstreckt sich dabei von der Antike bis ins 21. Jahrhundert.

Zur Vortragsreihe wird eine Aufgabe gestellt, die bis zum 9. Juni 2020 zu bearbeiten ist und deren Ergebnis benotet wird.

Vorlesung

Prof. Dr. Franziska Lang, Prof. Dr. Christiane Salge, Prof. Dr. Anna-Maria Meister, Christiane Fülscher M.A., Dr. Martin Pozsgai, Anna Luise Schubert M.Sc.

Erstes Treffen: Die Vorlesungen und weitere Informationen zu der Veranstaltung werden ab dem 28.04.2020 auf moodle online gestellt.

Übersicht:

  • Franziska Lang: „Schall und Rauch – Festkultur im antiken Griechenland“
  • Christiane Salge: „Ephemere und reale Festarchitektur in der Frühen Neuzeit“
  • Martin Pozsgai: „Leuchtende Bilder der Nacht. Das höfische Feuerwerk der Barockzeit“
  • Anna-Maria Meister: „Feiern – aber bitte im rechten Winkel?”
  • Christiane Fülscher: „Das Fest im Kollektiv“
  • Anna Luise Schubert: „From Rave to Riot. Contested Spaces of Light and Laser“

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/20

Bachelor:

Moderne Architektur kann heute nicht mehr als dominanter, europäischer Stil betrachtet werden. Diese Vorlesung sieht das Konzept der „Moderne“ als grundsätzlich pluralistisch an und wird eine breit gefächerte Auswahl globaler Geographien und ästhetischer Praxis vorstellen. Wir werden diese „Konstruktionen von Moderne“ in ihrer politischen sowie formalen Intentionen betrachten, und werden nicht nur ihren Erfolg, sondern auch ihre sozialen Folgen bewerten. Wenn wir die Entstehung neuer Materialien studieren werden wir sehen, wie Änderungen der Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen neue Architekturen erzeugten. In der Untersuchung ikonischer Gebäude und Siedlungen werden wir unseren Blick erweitern, um ihren „Export“ in die Kolonien einzuschließen, wo die Rationalität, die der Moderne oft zugesprochen wird, zur Kontrolle und Ausbeutung optimiert wurde. Wir werden moderne Architekturen kennenlernen, ihre Ideologien hinterfragen und ihre Entstehung kontextualisieren.

Bachelorvorlesung

Prof. Dr. Anna-Maria Meister

Master:

Das Aufkommen der Kybernetik in der Nachkriegszeit schien den architektonischen Traum von vorhersehbarem Ergebnis und objektiver Schönheit zu erfüllen. Regelbasiertes Design hat jedoch eine lange Geschichte: von Proportionslehre zu DIN-Normen haben Architekten wiederholt versucht, nicht nur Form vorzuschreiben, sondern auch soziale und politische Kontrolle auszuüben. Daher müssen „Design Rules“ auch hinsichtlich ihrer ideologischen Absicht und menschlichen Konsequenz betrachtet werden. Dieses Seminar wird sowohl Regeln untersuchen, die von außen vorgeschrieben werden – Standards, Normen und Vorschriften – als auch solche, die absichtlich als Teil des Designprozesses eingeführt werden – Proportionen, Kombinatorik und Algorithmen. In diesem Seminar wollen wir fragen: Was sind die architektonischen, räumlichen und politischen Implikationen von Gestaltungsregeln, ob vorgeschrieben oder selbst auferlegt? Inwiefern waren irrationale Tendenzen an der Gestaltung von Regeln beteiligt? Wo endet Kontrolle, wo beginnt Exzess? Und schließlich: wem dienen sie?

Masterseminar

Prof. Dr. Anna-Maria Meister

How do we relate to the world around us? And how does our ideas about the environment inform the way we design? In this class, we will look at how the environment has been historically defined and understood by scientists, philosophers, and architects, and how these theories have worked to both organize and restrict our thoughts about architecture. Through classroom discussions, group exercises, and writing assignments, we will identify, discuss, and critique central terms and ideas that have structured the relationship between humans and their environment in the 20th and 21st centuries. Throughout the semester we will address questions such as: How have architects historically engaged in discussions about the environment, and how are they engaging today? How is “environment” different from space, milieu or atmosphere? What is the role of architecture in creating distinctions between nature/culture, inside/outside, and human/non-human? How do ideas of the environment determine not only how architects design, but who and what they design for? And how can rethinking theories of the environment help us to reimagine our own practice faced with the environmental crisis?

Masterseminar

Victoria Øye, M.Sc.

Von Fachwerkhäusern in Lüderitz, Namibia zu modernen Fertigbauten im Vorkriegsdeutschland—koloniale Architektur begegnet uns in unterschiedlichster Gestalt. Dieser Kurs untersucht verschiedene Herangehensweisen an die Beziehung von Architektur und „empire,” den Weltreichen des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Student*innen sollen historisches und theoretisches Wissen über den Zusammenhang des Kolonialismus mit der gebauten Umwelt erlangen, sowie die Kompetenz entwickeln, historische Architektur in ihrem imperialen Kontext kritisch zu analysieren. Wo können wir Weltreiche räumlich verankern, nach was müssen wir Ausschau halten, wie blicken wir auf unsere Umgebung? Im Seminar werden zunächst gut-recherchierte Fälle der britischen, französischen, und belgischen Weltreiche diskutiert, insbesondere im Hinblick auf verschiedenen Möglichkeiten, wie koloniale Regime Architektur als Instrument der Machtausübung im Aus- und Inland geltend gemacht haben. In Bezugnahme auf diese Fallstudien werden Student*innen dann in Gruppenarbeit ihre eigenen Projekte im weniger bekannten deutschen Kontext entwickeln, indem sie Schlüsselterminologien, -akteure, und -orte identifizieren, ihre eignen Stadtpläne und Landkarten entwerfen, und potentielle zukünftige Forschungsagenden erarbeiten. Koloniale Weltanschauungen haben, indem sie direkt in das Stadtbild eingebaut wurden, bewusst oder unbewusst die Moderne geprägt und beeinflussen wohl nach wie vor unsere Gegenwart. Teil des Seminars ist daher auch eine Exkursion nach Frankfurt am Main, wo wir uns auf koloniale Spurensuche in einem Stadtgefüge begeben, das für gewöhnlich nicht direkt mit dem imperialen Projekt des deutschen Kaiserreichs in Verbindung gebracht wird. Die erforderliche Literatur ist in deutscher und englischer Sprache verfasst.

Masterseminar

Eva Schreiner, M.A./M.Phil