50 Jahre Positionen

Die Mittwochabend-Vorträge im Wintersemester 2021/22

11.10.2021

Am 20. Oktober 2021 startet die Mittwochabend-Reihe mit einem Vortrag von Florian Nagler (Florian Nagler Architekten, München). Außerdem erwarten wir den Schweizer Theaterintendanten Giovanni Netzer, den Architekten Achim Menges (ICD Stuttgart), die belgische Schriftstellerin Charlotte Van den Broeck, die Präsidentin der TU Darmstadt Dr. Tanja Brühl, den Architekten Wolf dPrix (COOP HIMMELB(L)AU, Wien), den belgischen Architekten Philippe Viérin (noAarchitecten, Brüssel) und die Architektin Donatella Fioretti (Bruno Fioretti Marquez, Berlin).

Das Origen-Theater auf dem Julierpass

Seit dem Wintersemester 1970/71 veranstaltet der Fachbereich Architektur die Mittwochabend-Vorträge. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltungsreihe von Max Bächer, Professor für Entwerfen und Raumgestaltung von 1964 bis 1993. Ihm gelang es aufgrund seiner Kontakte, international bekannte Architekt*innen wie Louis Kahn, Jörn Utzon, Paul Rudolph und Zaha Hadid für Vorträge am Fachbereich zu gewinnen. Hierdurch gelangte die Reihe, die in ihrem Format damals deutschlandweit einzigartig war, ab Mitte der 1970er Jahre über Darmstadt hinaus zu Bedeutung. Die Mittwochabend-Vorträge sind seitdem die meistbesuchte, öffentliche Vortragsreihe der Technischen Universität Darmstadt und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer.

Seit 2008 wird die Reihe von Prof. Wolfgang Lorch (Fachgebiet Entwerfen und Baugestaltung) für den Fachbereich konzipiert und organisiert. Wie schon in ihren Anfangstagen folgt die Reihe unter seiner Leitung dem Anspruch, aktuelle über den engeren fachlichen Kontext der Architektur hinausgehende Positionen vorzustellen, die die generalistische Ausrichtung des Fachbereichs widerspiegeln.

Die Veranstaltungen sind öffentlich und kostenfrei. Im Wintersemester 2021/22 finden alle Vorträge als Online-Veranstaltungen über Zoom statt. Einzelne Vorträge können als Hybrid-Veranstaltungen stattfinden.

Teilnahme und Fortbildung:

Die Veranstaltung ist als Fortbildung bei den Architekten- und Stadtplanerkammern Hessen und Saar anerkannt.

Informationen zur Teilnahme an den Online-Veranstaltungen und zur Anerkennung der Fortbildungspunkte finden Sie unter: https://www.architektur.tu-darmstadt.de/mittwochabend

Die Vorträge in der Übersicht

20.10.2021: Florian Nagler

Florian Nagler Architekten, München
„Wie wir auch bauen könnten“

Florian Nagler

Florian Nagler ist seit 2010 Professor für Entwerfen und Konstruieren an der TU München. Sein Lehrstuhl beschäftigt sich vorrangig mit dem Zusammenhang von Entwurf und Konstruktion und der direkten Umsetzung von analytischen Studien in konkrete Entwürfe. Die Auseinandersetzung mit der materiellen Präsenz der Dinge steht dabei von Anfang an mit im Vordergrund. Die Forschungstätigkeit kreist um das Thema „einfach bauen“ und versucht einen Beitrag zur Entkomplizierung des Bauens zu leisten.

Nach einer Lehre als Zimmermann absolvierte Prof. Nagler ein Studium der Architektur an der Universität Kaiserslautern. Gast- und Vertretungsprofessuren führten ihn an die Gesamthochschule Wuppertal, die Königlich Dänische Akademie in Kopenhagen und die Hochschule für Technik in Stuttgart. Prof. Nagler ist Gründungsmitglied der Stiftung Baukultur und seit 2010 Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Baukunst in Berlin und der Bayerischen Akademie der schönen Künste.

27.10.2021: Giovanni Netzer

Intendant und Theaterwissenschaftler, Riom
„Theatrum mundi“
http://www.origen.ch/

Giovanni Netzer

Giovanni Netzer, Theologe und promovierter Theaterwissenschaftler, befasst sich seit 2005 mit dem Aufbau des Theaterfestivals Origen in Graubünden, das konsequent theaterferne Räume erforscht, in allen Bühnengattungen spielt, mit der Sprachenvielfalt Graubündens experimentiert und einzigartige Theaterbauten erstellt. So entstand auf dem Julierpass, auf 2.300 Meter über dem Meer gelegen, der hölzerne Rote Theaterturm, der einen radikalen Gegenentwurf zur Guckkastenbühne der Städte darstellt.

Origen wirkt in einer der strukturschwächsten Regionen des Kantons Graubünden und gilt heute als innovativste und grösste Theaterinstitution des Bergkantons. Seit Anbeginn engagiert sich die Nova Fundaziun Origen aktiv in der Entwicklung der Dörfer im hochalpinen Tal Surses. Durch die Nutzung leerstehender, atmosphärisch dichter Räume, durch die Neuinterpretation kulturhistorischer Potenziale, den Aufbau von Werkstätten und das Experimentieren mit neuen Beherbergungsformen trägt das Festival substantiell zur Stärkung der Identität und zur Belebung einer ganzen Region bei.

Für dieses Engagement wurden Netzer und das Origen Festival wurden vielfach ausgezeichnet.

03.11.2021: Achim Menges

ICD Stuttgart
„Architektur Forschung Bauen“

http://www.achimmenges.net

Achim Menges ist Architekt in Frankfurt und Professor an der Universität Stuttgart. Dort leitet er das von ihm neu gegründete Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) und das Exzellenzcluster „Integrative Computational Design and Construction for Architecture“ (IntCDC). Ebenfalls war er für sechs Jahre Gastprofessor an der Harvard Universität, sowie an verschiedenen anderen Universitäten in den USA und Europa. Achim Menges hat an der Architectural Association in London mit Auszeichnung diplomiert.

In Praxis und Forschung untersucht Achim Menges einen integrativen Ansatz zum computerbasierten Entwerfen, Fertigen und Bauen, sowie dadurch ermöglichte, genuin digitale Bauweisen und Architektur. Seine Forschungsarbeiten und Bauprojekte wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, vielfach weltweit ausgestellt und veröffentlicht. Sie bilden auch Teil der ständigen Sammlung mehrerer renommierter Museen, unter anderem des Centre Pompidou in Paris und des Victoria & Albert Museum in London.

10.11.2021: Charlotte Van den Broeck

Schriftstellerin, Antwerpen
„Wagnisse – 13 tragische Bauwerke und ihre Schöpfer“

https://charlottevandenbroeck.com

Charlotte Van den Broeck

Die belgische Schriftstellerin Charlotte Van den Broeck veröffentlichte 2019 ihr Prosadebüt “Wagnisse – 13 tragische Bauwerke und ihre Schöpfer”. Das Buch ist eine essayistische Suche nach dreizehn Architekten, die wegen fataler Fehler an ihren Bauwerken zugrunde gehen. Es wurde nach Erscheinen begeistert aufgenommen, stieg sofort auf die Bestsellerliste und auf die Shortlist für den Boekenbon Literaturpreis 2020.

Charlotte Van den Broeck studierte englische und deutsche Literatur sowie Verbal Arts am Konservatorium Antwerpen. 2015 erschien ihr erster Gedichtband ‘Kameleon’, der mit dem flämischen Hermande-Coninck-Preis als bestes Debüt des Jahres ausgezeichnet wurde. 2017 folgte der Gedichtband „Nachtroer”, ausgezeichnet mit dem Paul Snoekprijs für den besten Gedichtband in niederländischer Sprache.

Auf die Bühne sucht sie nach einem performativen, körperlichen Ansatz der Poesie. In 2016 hielt sie, zusammen mit Arnon Grunberg, als jüngste Sprecherin die Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse.

17.11.2021: Tanja Brühl

Präsidentin der TU Darmstadt
„Universitäre Lernorte“

Prof. Dr. Tanja Brühl

Prof. Dr. Tanja Brühl ist seit 2019 Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt. Im Anschluss an ihr Studium der Biologie und der Politikwissenschaft war sie u.a. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen, dem Institut für Entwicklung und Frieden (Duisburg) und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Soie promovierte 2002 in Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nach einer Juniorprofessur wurde sie 2007 als Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Institutionen und Friedensprozesse an der Goethe Universität Frankfurt am Main berufen. 2012 bis 2018 war sie dort Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Darüberhinaus war sie räsidentin des Netzwerks führender technischer Universitäten CLUSTER (10/2019 – 06/2020) und ist seit 2019 Präsidentin des Europäischen Universitätsverbundes UNITE! und Sprecherin der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU).

24.11.2021: Wolf dPrix

COOP HIMMELB(L)AU, Wien
„In nur zwei Tagen ist morgen gestern – from DECON to AI“

Wolf dPrix

Wolf dPrix ist Gründungspartner, CEO und Design Principal von COOP HIMMELB(L)AU, einem weltweit tätigen Büro, das für seinen innovativen und komplexen Designansatz bekannt ist und an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Technologie agiert. Er zählt zu den Erfindern der Architekturströmung des Dekonstruktivismus. Als Vorstand des Instituts für Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien (2003 bis 2012) und Professor des Studio Prix (1990-2011) setzte Wolf dPrix internationale Standards in der Architekturausbildung. Wolf dPrix wurde mit den beiden höchsten Auszeichnungen Österreichs für kulturelle Leistungen geehrt: dem Großen Österreichischen Staatspreis und dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Weitere Auszeichnungen sind unter anderem der Schelling-Architekturpreis, der Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres, der Jencks Award und der Hessische Kulturpreis. Institutionen wie die Getty Foundation, das MAK Museum für angewandte Kunst und das Centre George Pompidou zeigen die Arbeiten in Dauerausstellungen.

Zu den bekanntesten Werken des Büros gehören der Dachausbau Falkestraße in Wien, die BMW Welt in München, die Central Los Angeles Area High School #9 for the Visual and Performing Arts, der Busan Cinema Komplex in Korea, das Dalian International Conference Center in China, das House of Music in Aalborg, Dänemark, das Musée des Confluences in Lyon, Frankreich, die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt/ Main, Deutschland, das Museum für moderne Kunst & Stadtplanung (MOCAPE) in Shenzhen, China, und das PANEUM – Wunderkammer des Brotes in Asten.

01.12.2021: Philippe Viérin

noAarchitecten, Brüssel
„Reading Place“

Philippe Viérin

Philippe Vierin smachte 1992 seinen Abschluss an der Universität Gent und arbeitete für Stéphane Beel in Brügge und KCAP in Rotterdam. Seit 2000 ist er nicht nur Partner bei noAarchitecten, sondern leitet auch das Büro Viérin Architecten in Brügge, das von seinem Urgroßvater gegründet wurde. Von 2013 bis 2018 lehrte er an der Université Catholique de Louvain und an der TU Delft.

In seinem Vortrag wird er über Nachnutzungsprojekte von meist monumentalem Erbe sprechen – von Gebäuden, die das Wissen der Stadt in sich tragen. Wie können wir dieses Wissen auf natürliche Weise aktivieren und interpretieren? Wie beeinflusst ein bestehendes Gebäude unsere Herangehensweise an das Programm? Gibt es eine Möglichkeit, über die typische „Typologie“ hinaus zu denken und die Welt mit dem Vorhandenen zu ordnen?

08.12.2021: Donatella Fioretti

Bruno Fioretti Marquez, Berlin
„The Hunting of the Snark“

Donetella Fioretti

Donatella Fioretti studierte Architektur am Istituto Universitario di Architettura di Venezia (IUAV) und an der Gesamthochschule Kassel. 1995 gründete sie zusammen mit Piero Bruno und José Marquez das Büro Bruno Fioretti Marquez in Berlin und Lugano. Es folgten Lehrtätigkeiten und Teilnahmen an Workshops, Seminaren und Vorträgen an verschiedenen internationalen Universitäten. 2011–2017 war sie Professorin für Entwurf an der TU Berlin, 2017 wurde sie zur Professorin für Baukunst an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Die Projekte von Bruno Fioretti Marquez gehen überwiegend auf Wettbewerbserfolgen zurück und umfassen Bibliotheken, Museen, Kindergarten, Schulen, Universitäten und Wohnungsbauten. Das Büro wurde u.a. mit dem Deutschen Architekturpreis, dem DAM-Preis für Architektur in Deutschland, dem Hugo-Häring-Preis, dem BDA-Preis Berlin, dem Detail-Sonderpreis und dem Deutschen Ziegelpreis ausgezeichnet.

Unterstützung

Im Wintersemester 2021/22 werden die Mittwochabend-Vorträge unterstützt durch die Stiftung Baukultur Saar.