Projekte und Kooperationen

Codierte Objekte

Proto-Algorithmisches Denken in der Architektur

Angesiedelt zwischen dem, was konventionellerweise „Architekturgeschichte“ gennant wird (monographische Geschichten oder Gebäudeanalysen) und dem Feld der Technik- und Wissenschaftsgeschichte profitiert dieses Projekt von seiner disziplinären Unbestimmtheit. Indem es algorithmisches Denken als untrennbar verbunden mit einem ästhetifizierten Rationalismus sieht, entlarvt es grundlegende ästhetische und epistemische Zusammenhänge zwischen scheinbar gegensätzlichen historischen Strömungen und Figuren. Diese Projekt gründet sich auf der Dringlichkeit, die allzuschnelle Dichotomie von Gestaltung und Bürokratie zum Einen, und der von „neutraler“ Technologie und Ethik zum Anderen zu hinterfragen. Indem wir diese Geschichte algorithmischen Denkens in räumliche Nähe zu architektonischer Praxis bringen, erzeugen wir produktive Reibungen und Affinitäten besonders in Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gegenwart. Algorithmische Geschichte als Reihe menschlicher und gestalterischer Aushandlungen wird hier vor dem Hintergrund technischer Daten und programmierter Objekte gestellt. Wir untersuchen eine Reihe von Fallstudien vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts, wo Architekten und Architektinnen zusammen mit Bürokraten versuchten, Methoden zu finden um Gestaltung zu automatisieren. Dieses Projekt verbindet drei Modalitäten wissenschaftlichen Arbeitens: rigorose Archivarbeit um die Grundlagen der Fallstudien zu erforschen; intensive interdisziplinären Austausch in Internationalen Symposien, um eine gemeinsame Terminologie und Methodik zu finden und zu testen; und schließlich als Reihe von Veröffentlichungen als öffentlicher Beitrag zu einem Diskurs, der dringend historisch-kritischer Aufmerksamkeit bedarf.

Ernst Neufert, Spatial Divisons from Studio to Palace, Bauentwurfslehre (1936)