Projekte

DAAD Gastdozentenprogramm mit Dr. Igor Demchenko (1.4.2021-31.3.2022)

Reconstruction Reconsidered

Mit dem Forschungs- und Lehrprojekt „Reconstruction Reconsidered“ stellen wir die Neubauprämisse der Architekturausbildung in Frage und nehmen uns einer Untersuchung in Theorie und Praxis von Rekonstruktion an. In der deutschen Historiographie wird Denkmalpflege meist als kunstgeschichtliche Theorie oder materialwissenschaftliche Bauforschung behandelt, währen sich besonders im US-amerikanischen Kontext in den letzten Jahren z.B. an der Columbia University eine kritische Denkmaltheorie („critical turn“) herausgebildet hat, die sich mit der Praxis der Rekonstruktion jenseits der Fassadenerhaltung befasst. In der Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt im Kontext der Nachhaltigkeit sowohl im Zeichen des Klimawandels als auch dem des demographischen Wandels nimmt unser Projekt diesen „critical turn“ zum Anlass, in einer Architekturfakultät kritische, pragmatische und historische Rekonstruktionsansätze auf den Prüfstand zu stellen. Dabei wirft ein in Fragestellen des Neubaus als architektonische Leitlinie nicht nur konstruktive, sondern auch (und vor allem) historisch-kritische Fragen auf. Wenn Entwerfen nun als gesellschaftliche Aufgabe nicht mehr Bauen, sondern Wiederaufbauen heißt, muss Architektur anders reflektiert und erforscht werden. Dr. Demchenko wird in thematischen Seminaren und Workshops mit Studierenden Fragestellungen zur angewandten Methodik der Rekonstruktion und Restauration zwischen den 1920er und 1980er Jahren historisch unterlegen und kritisch diskutieren.

Hannover, EXPO 2000, Litauischer Pavillon von Valdas Ozarinskas (1961-2014). Das Bild spiegelt den retro-futuristischen, rekonstruktiven Impuls hinter zeitgenössischen utopischen Träumen und die Vergänglichkeit einer architektonisch verkörperten Zukunft wider, die nach Bewahrung ruft, lange bevor sie ihr Versprechen erfüllt. Fotografiert von Igor Demchenko/Alla Vronskaya im Jahr 2013.