Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom

Masterthesis Sommer 2017

Herausgegeben vom Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Felix Waechter

Die im Rahmen der Masterthesis zu planende Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl soll die jahrhunderte alten Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl widerspiegeln ohne dabei einfach auf die vorhandenen geschichtsträchtigen baulichen Zeugnisse Rom zurückzugreifen oder zu ihnen in Konkurrenz zu treten. Die Kanzlei und Residenz sind in unmittelbarer Nachbarschaft bzw. als Ergänzung zum denkmalgeschützten Bestand des Goethe-Instituts im Quartiere Solario zu planen. Als Antwort auf die Besonderheit des Topos ist ein eigenständiger, identifikationsstiftender Typus für die funktionalen Anforderungen zu entwickeln und die elementaren Fragen der Architektur – Raum, Struktur, Material und Licht – zu beantworten. Dabei ist ein architektonischer Ausdruck zu suchen, der die fortentwickelte Identität einer Demokratie angemessen wiederspiegelt ohne dabei gängige Klischees oder nationale Folklore als Symbol nationaler Identität zu benutzen. Der Botschaftsbau wird somit selbst zu einer raumgewordenen kulturellen Botschaft.

Die neue Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom bildet die Ergänzung zu dem in unmittelbarer Umgebung situierten, denkmalgeschützten Bestand des Goethe Instituts. Ziel ist es einen eigenständigen und identifikationsstiftenden Typus einer Botschaft zu entwickeln, der die Beziehung zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl widerspiegelt.. Das Grundstück liegt in dem Quartiere Solario in dem ein durchmischter Charakter unterschiedlicher Gebäudetypen herrscht. Auf der einen Seite gliedern sichprachtvolle Solitäre an und auf der anderen befindet sich eine klassische sehr elegante Blockrandbebauung.Der Bauplatz knüpft an beide Bautypologien an und ist von zwei Seiten durch Straßenzüge begrenzt. Aufgrund dessen stand das Weiterdenken der Straßenfluchten im besonderen Fokus. Es entsteht ein Volumen aus zwei Baukörpern, ein auffälliger Solitär und ein sich einfügender Riegel, verbunden durch das gemeinsame Erdgeschoss.

Der nördlich situierte Baukörper ist ein achtgeschossiger Turm. Dieser befindet sich an der obersten Grundstücksgrenze und gliedert sich in die Reihe der Solitäre und setzt sich somit in die direkte Blickachse Richtung Rom Innenstadt. Durch die Positionierung läuft die Haupterschließungsachse direkt auf den Baukörper zu und erzeugt eine signifikante Geste des Empfangens und der Repräsentation nach außen. Dieser Ausdruck wird dadurch verstärkt, dass die Straßenflucht durch den Baukörper hindurch weiter geführt wird und so eine Durchwegung ermöglicht. Der Besucher wird in diese neu erzeugte Wegeführung direkt in das Gebäude geleitet. Der Eingang in den öffentlichen Teil der Botschaft liegt im Bauteil verbindenden gemeinsamen Erdgeschoss. Hier befinden sich ein Foyer und ein Veranstaltungssaal mit direkter Blickbeziehung zum Goethe-Institut. Überdacht, in der Durchwegung liegend, befindet sich der Eingang mit Schleuse für die Kanzlei und die Residenz. In den ersten drei Geschossen erstreckt sich die Residenz mit Hauptempfangsraum, weiteren Empfangsräumen und Bibliothek. Ab dem vierten Geschoss befindet sich die Kanzlei mit den dazugehörigen Büroflächen. Die Apartments werden durch den gegenüberliegenden Eingang erschlossen, um eine schnelle und unabhängige Erreichbarkeit zu gewährleisten.

Als Gegenstück zu dem Turm gibt es den südlich gelegenen Baukörper, der sich hin zum Wohnen und der Blockrandbebauung im Viertel Solario orientiert. Dieser beherbergt das Wohnen der Botschafterin/ des Botschafters, den Speisesaal und einen Wirtschaftstrakt. Die gezielte Trennung von Wohnen und Arbeiten stellt die Privatsphäre der Botschafterin/ des Botschafters sicher und ermöglicht ein eigenständiges Nebeneinander.

Über das Herzstück, dem „Hortus Conclusus“ über dem Erdgeschoss liegend, sind die beiden Baukörper zusätzlich miteinander verbunden. Dadurch entsteht eine Verknüpfung zwischen dem Hauptempfangsraum und dem Speisesaal, sodass sich die Residenz im ersten Obergeschoss über die gesamte Grundfläche erstreckt und Blickrichtungen für die Besucher in alle Richtungen eröffnet werden. Ziel der Grundrissgestaltung ist eine formale Lesbarkeit der Grundrisse sowie ein fließender, offener und zusammenhängender Raum in allen Nutzungsbereichen der Botschaft. Somit ergeben sich Flächen der Kommunikation, die sowohl im Bereich der Residenz als auch in der Kanzlei von großer Wichtigkeit sind.

Um dem skulpturalen Ausdruck des Entwurfs gerecht zu werden, tritt das Gebäude von innen wie von außen in Stahlbetonbauweise in Erscheinung. Eine Kerndämmung bewerkstelligt diesen Ausdruck, sodass das Gebäude zum Teil aus Ortbeton und zum Teil aus Betonfertigteilen konstruiert ist. Um diesen Ausdruck auch in der Fassade weiter zu führen, gibt es nur wenige flächige Öffnungen. In den Kanzleigeschossen ist das Fassadenbild durch einen Schleier aus Betonlisenen ergänzt, welche die großen Fensteröffnungen überdecken und somit gleichzeitig die Funktion des passiven Sonnenschutzes übernehmen.

Sarah Papperitz

© Sarah Papperitz

© Sarah Papperitz

© Sarah Papperitz

© Sarah Papperitz

© Sarah Papperitz

Der Neubau der Deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl ist ein einladendes Gebäude neben dem Goethe-Institut in Rom. Sowohl die Anmutung des Gebäudes als auch die städtebauliche Setzung des Bauköpers orientieren sich an der Umgebung.

Der elegante lange Baukörper sitzt parallel zum Goethe-Institut. Aus dem städtebaulichen Kontext ergeben sich die unterschiedlichen Fassaden. Zwischen dem Goethe-Institut und der Deutschen Botschaft befindet sich ein öffentlicher Platz. Von diesem wird die Kanzlei und der Veranstaltungssaal erschlossen. Durch die unterschiedlichen Höhen des Geländes wird der private Garten der Empfangsbereiche für geladene Gäste und der öffentliche Eingangsplatz voneinander getrennt.

Über eine große Freitreppe kommt man in den Veranstaltungssaal, dieser befindet sich unter dem Empfangsgarten. An der westlichen Fassadenseite befindet sich der private Eingang der Wohnungen.

Im Gebäude verknüpfen sich die Kanzlei und die Residenz L-förmig miteinander. Dazwischen spannt sich eine Terrasse auf. Über die Terrasse kann der Botschafter von seiner Wohnung, die sich in der Residenz befindet, direkt zu seinem Büro in die Kanzlei.

Der hohe Eingangsraum zur Kanzlei wird durch ein seitliches Oberlicht inszeniert und dient als Foyerraum und Verteilerraum. In der Spitze der Residenz befinden sich doppelgeschossige Empfangsräume.

Die Büroräume der Kanzlei ordnen sich um einen Luftraum und befinden sich an der Süd- und Ostfassade. Die gesamte Fassade öffnet sich zum Goethe-Institut und ist auf der Rückseite eher verschlossen. Durch die konsequente Anordnung der hoch frequentierten und lebendigen Funktionen im Erdgeschoss der Häuser ergibt sich eine Belebung der angrenzenden städtischen und empfänglichen Freiräume.

Durch die rötliche Färbung des Betons bekommt die Deutsche Botschaft eine solitäre Anmutung und gewinnt an skulpturaler Qualität.

Shujian Sun

© Shijan Sun

© Shijan Sun

© Shijan Sun

© Shijan Sun

© Shijan Sun

© Shijan Sun

Der Entwurf für einen Neubau der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl führt Kanzlei und Residenz in einer baulichen Anlage zusammen. Das Botschaftsgelände  gliedert sich in einen schmalen von Solitärbauten gegliederten Straßenzug ein, der zwischen dichter Blockrandstruktur im Süden und traumhaften Gartenpark der Villa Albani liegt.

Mein Entwurf stellt dem anliegenden Goetheinstitut ein Solitärbau gegenüber. Es entsteht ein spannungsvoller Zwischenraum zwischen Institut und Botschaft, sowie Stadt und Park. Die Gebäudestruktur gliedert sich in sein vertikal gestapelte Gebäudeteile die eine Funktionstrennung von Residenz und Kanzlei ablesbar machen.

Die Aufgabe forderte ein für mich zunächst hohes Maß an Öffentlichkeit und freier Zugänglichkeit. Dieses verstand ich als Chance den gesamten unteren und ungesicherten Bereich in Organisation und Ausdruck als offene, flexible Struktur zu interpretieren, die mehrere Szenarien ermöglicht.

Im Erdgeschoss befindet sich das Foyer als Verteiler zu Schleuse, privaten Aufzug der Botschaftswohnung und Appartements, sowie die Veranstaltungshalle und die zentraler Erschließung der Empfangsshalle. Diese stellt das Herzstück der Repräsentation da und ist als offene und großzügige Struktur zu verstehen, die eine Form des Empfangens ermöglicht, die kleine verschachtelte Räume nicht leisten können. Von ihr ist ebenso der Dachgarten erreichbar, welcher inhaltlich und städtebaulich als Zwischengeschoss die Grenzen zwischen Öffentlich und Privat darstellt. Im oberen und diskreten Teil folgen Kanzlei mit Verwaltungsfläche und als Abschluss die Wohnung der Botschafterin.

Der Ausdruck des Hauses widersetzt sich dem ersten Gedanken eines Bilder einer Deutschen Botschaft der heutigen Zeit. Eine harte Rasterstruktur eines Stahlverwaltungsbaus wird irritiert durch konstruktive und gestalterische Elemente die teilweise gemischt erscheinen. Die Farbwahl ergänzt diesen für mich interessanten Gedanken. Ein positiv irritierter vielschichtiger Eindruck entsteht.

Johannes Walterbusch

Ausgezeichnet mit dem Fachbereichspreis des Sommersemesters 2017.

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

© Johannes Walterbusch

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